Ghost in the Shell

Am 27. August 2017 in film

Mitgerissen von der Diskussion, ob die Umsetzung der japanischen Comicvorlage mit einem kaukasischen Hauptdarsteller-Duo nun Whitewashing ist oder nicht, habe ich mir Ghost in the Shell eigentlich vor allem deshalb ausgeliehen, um es hier so richtig abzuwatschen. Gute Verrisse sind ja auch so viel einfacher zu schreiben und Scarlett Johansson als Major sollte doch eine ideale Vorlage sein. Pustekuchen.

Natürlich wäre Ghost in the Shell in einer besseren Welt von vornherein eine japanische Produktion von Mamiru Oshii gewesen und eben nicht eine US-Produktion mit dem Kapital aus den Taschen von gut einem halben Dutzend Geldgebern, die sich alle ungläubig und vor Lachen auf die Schenkel klopfen, wenn die Hauptrolle eine Japanerin sein soll. In einer ganz anderen Welt wäre Rila Fukushima der englisch sprechende Major gewesen. Hätte ich vielleicht auch nicht authentischer gefunden. Wichtig ist für mich, dass niemand mehr auf die dumme Idee kommt kaukasische Darsteller braun anzumalen oder sonstwie ethnisch umzuschminken. Scarlett Johanssons große Augen in ihrer ersten Szene war dahingehend hoffentlich bloß ihr Hundeblick und in weiteren Szenen glücklicherweise nicht mehr auffällig.

Abgesehen vom fraglichen Umstand des Castings macht Ghost in the Shell aber einfach alles richtig: Der Major und Batou sind überzeugend umgesetzt, Michael Pitt beweist als antagonistischer Puppetmaster ein begnadetes Schauspiel und die von Blade Runner inspirierte neon-reklamierte Umgebung ist herrlich anzusehen. Takeshi Kitano spielt sich, gewohnt routiniert auf der Kippe zwischen Teilnahmslosigkeit und Amoklauf, selbst und darf dabei erfreulicherweise durchgehend japanisch sprechen. Am Ende hüllen Clint Mansell und ein mir völlig unbekannter Lorne Balfe das Ganze in atmosphärisch passende Klänge, was unterm Strich ein rundum unterhaltendes Paket schnürt. Das habe ich so nicht erwartet.

Irgendwie habe ich am Ende lediglich die Fuchikoma vermisst. Andererseits mag ich den Film aber auch gerade wegen der Abstinenz von gesichtslosen, am Computer generierten Armeen von irgendwas. Und insektoide Roboter hätten den einen oder anderen Produzenten sicherlich auf dumme Gedanken gebracht. Bis Japan also seinen eigenen Realfilm zum Stoff herausbringt und weil ich kein großer Fan von Anime bin, ist das hier jetzt jedenfalls meine Lieblingsverfilmung.

P.S.: Ich möchte trotzdem nicht, dass James Cameron Battle Angel Alita verfilmt.