Fu'un Bakumatsu Den

Am 19. September 2014 in spiel chambara

Genkis zweiter Kengô Spin-Off erlaubt es euch, beide Seiten des Bakumatsu Konflikts nachzuspielen und mitzuerleben. Nach dem überraschenden Erfolg des Kengou Spin-Offs Shinsengumi, ließ Genki die treuen Fans nicht lange auf einen Nachfolger warten. Konntet ihr im ersten Teil lediglich in den Reihen der Wölfe von Mibu gegen die Shogunatsgegner kämpfen, bleibt es euch beim Nachfolger überlassen, welcher Seite ihr euch anschließt und sprichwörtlich unter den Schwertarm greift.

Habt ihr euch zu Beginn des Spiels für oder gegen die Shinsengumi entschieden und eurem Helden einen passenden Namen gegeben, geht alles erst mal seinen vom Vorgänger her gewohnten Gang. Wer den ersten Teil gespielt hat, findet sich im nahezu identischen Aufbau schnell zurecht und kann gleich mit dem ersten Auftrag loslegen. Neueinsteiger sollten zu aller erst einmal das Turtorial im Hauptmenü auswählen um sich so an die Spielmechanik zu gewöhnen.

Natürlich gibt es auch während des Spiels wieder die Möglichkeit, das eigene Dojo aufzusuchen um so gegebenenfalls eine Trainingseinlage zu absolvieren, allerdings belegt diese Option im zweiten Teil keinen eigenen Menüpunkt mehr, sondern muss als offizielle Mission ausgewählt werden. Angeboten werden diese Trainingeinheiten regelmäßig und zwar immer mit, je nach Episode unterschiedlichen Supportcharakteren, deren Manöver und Techniken ihr euch so recht einfach zu Eigen machen könnt.

Wie auch beim Vorgänger werden alle Aktionen außerhalb des Kampfes durch Menüs gesteuert. Per Druck auf einen der Punkte, könnt ihr zu den aktuellen Missionen ausrücken, euch erholsamen Schlaf gönnen oder euch euren Schwerttechniken widmen, die wie bei Teil Eins aus maximal zwei Haltungen und einer Ziehtechnik bestehen. Jede dieser Stellungen hat verschiede Möglichkeiten zum Blocken einer gegnerischen Attacke aus verschiedenen Richtung oder dem Aufbrechen einer gegnerischen Schwertstellung. Optional gibt es noch Verteidigungsmanöver speziell für Speere. Benutzt ihr eine Haltung im Kampf sammelt ihr Erfahrungspunkte und könnt sie mit erlernten Techniken aufrüsten. Neue Techniken eignet ihr euch automatisch an, wenn ihr sie ein paar mal bei euren Gegnern gesehen habt.

Das seit Kengou 2 stark vereinfachte Formensystem wurde ein weiteres Mal durch ein neues Feature simplifiziert und so können Menümuffel ihre Haltungen alternativ automatisch nach unterschiedlichen Kriterien vom Spiel generieren lassen. Das ist zwar gegen die Ideologie der Kengou Reihe, spart aber das mühselige Durchforsten neu gelernter Techniken.

Der eigentliche Missionsablauf blieb weitgehend unverändert und so entscheidet ihr euch zuerst für einen Einsatzort, stellt dann eure aus maximal vier Leuten inklusive eurem eigenen Charakter bestehende Einsatztruppe zusammen und zieht danach mehr oder weniger entschlossen in den Kampf. Ihr liefert euch Massenkämpfe in Wirtshäusern, zieht durch dunkle Gassen auf der Suche nach Anführern der Gegenseite, verteidigt Straßensperren, bietet Begleitschutz oder inspiziert verdächtige Personen.

All das wieder mit der Möglichkeit eure Truppe mit der Dreiecktaste in verschiedene Aufstellungen relativ zum anvisierten Gegner zu kommandieren um so vielleicht eine der recht effektiven und vor allem sehr blutigen Teamattacken zu erhaschen. Oder einfach nur, um selbst aus einer heiklen Situation zu entkommen. Eure Kontrahenten haben von Ehrenkodex und Fairness nämlich noch nicht viel gehört und so findet ihr euch schnell in einem Pulk wütender Angreifer wieder. Da heißt es frühzeitig die Situation erkennen und sich möglichst schnell in eine taktische Position zu bringen. Das macht Bakumatsuden aus, genau wie seinen Vorgänger.

Ab und an sind aber auch gewaltlose Schleicheinsätze gefragt. Wie schon bei Teil Eins entpuppen sich diese allerdings wieder als recht unbeholfen, denn ihr habt immer noch kein entsprechendes Gameplayelement wie etwa Ducken, oder die Möglichkeit um eine Wand zu spähen, spendiert bekommen. Und so kommt man sich wieder einmal recht blöd vor, wenn es auf offener Straße mit lockerem Gang heißt, den Widersachern aus dem Weg zu gehen. Jeder normale Gesuchte würde sich natürlich einfach in die Büsche und Innenhöfe schlagen, aber das klappt wie schon bei Shinsengumi leider immer noch nicht und so bleiben euch eben nur die einladenden breiten Straßen der Bakumatsuzeit.

Glücklicherweise sind die Missionen bei denen es vor allem auf eure Kunst mit dem Schwert ankommt nach wie vor solide umgesetzt. Kengou 3 ist zwar mittlerweile ein ganz anderes Kaliber, aber für ein Action Spin-Off ist die Technik immer noch ausreichend. Lediglich das plumpe Zusammenstoßen bei einem misslungenem Versuch die Haltung des Gegners aufzubrechen hinterlässt mittlerweile einen recht faden Eindruck und hätte im zweiten Teil eigentlich mal durch eine ansprechendere Animation ersetzt werden können.

Zwischen den Missionen gibt es wieder etliche in der Spielgrafik und Echtzeit gerenderte Storyeinspieler, die zumindest ihren Zweck erfüllen, zu sehen und die euren Fortschritt in der geschichtlich belegten Zeitleiste ankündigen. Parallel dazu könnt ihr die Ereignisse auch in einem Zeitleistenmenü nachlesen. In japanischer Sprache natürlich.

Für Abwechslung im Spiel sorgen zusätzlich zu den bekannten Orten aus dem ersten Teil einige neue Level, die sehr schön gestaltet sind. Nichts desto trotz kennt ihr auch diese Maps schnell wieder in und auswendig. Das war im Vorgänger so, dass ist bei allen Kengou Teilen so und auch Bakumatsuden ist trotzdem kein Spiel das schnell langweilig wird. Zu stark ist der Wille, den geschichtlichen Lauf voran zu treiben und die eigenen Techniken zu verfeinern. Sammler bekommen dieses mal auch ein eigenes Menü spendiert in dem nicht nur erlernte Schwertmanöver und freigespielte Filme, sondern auch gemeisterte Teamattacken bewundert werden können. Da ertappt man sich schon mal dabei, dass man versucht seine Mitstreiter und sich selbst in eine bestimmte Position zum Gegner zu bringen, um endlich die ein oder anderen fehlende Teamattacke sein eigen nennen zu können. Glücklicherweise kann man sich auch für noch nicht ausgeführte Teamangriffe die benötigte Aufstellung der Truppe bereits in der Statistik anschauen und so sehr gut auf das Komplettieren der Liste hinarbeiten.

Neu sind auch Gegenstände, die euer Charakter sammeln kann, zerstört ihr z.B. am Straßenrand herumstehende Kisten, Eimer oder ähnliches. Diese Items können in einem Extramenü an- bzw. abgelegt werden und haben unterschiedliche Auswirkungen auf euer Verhalten oder eure Charakterwerte wie etwa Lebensenergie, Angriff und Verteidigung. Einige dunkle Items verlangen im Gegenzug zu einem enorm hohen Werteschub sogar einen Tribut in Form von langsam abfallender Energie. Tragen könnt ihr immer nur ein Item und visuell könnt ihr die Gegenstände an eurem Kämpfermodell leider nicht bewundern.

Außerhalb des Storymodus dürft ihr diese mal auch mit Charakteren, denen ihr im Hauptspiel begegnet seid, kleine Sidequests erledigen. In diesen Miniszenarios schlüpft ihr dann in die Rollen von Schlüsselfiguren beider Seiten und lernt so weitere Details über die Hintergründe des Konflikts kennen. Um für diesen Modus alle Figuren zu den zusätzlich zu Beginn anwählbaren frei zuspielen, müssen beide Seiten des Storymodus erfolgreich beendet werden.

Wer dann immer noch nicht zufrieden ist, der zieht mit einer Gruppe aus allen im Spiel freigeschalteten Kriegern in den Timeattack-Modus, wo man allein oder mit einem menschlichen Mitspieler versucht, Bestzeiten für eine Reihe ausgewählter Missionen zu setzen. Wie auch bei Shinsengumi gibt es außerdem noch die Möglichkeit, im Dojo zu einem waschechten Versusmatch, vier gegen vier anzutreten. Auch hier habt ihr die Wahl zwischen einem computergesteuertem Team oder einen menschlichen Gegner.

Alles in allem wirkt Bakumatsuden vom Umfang her runder und voller als sein Vorgänger, spielerisch und technisch präsentiert es sich aber im identisch soliden Gewand. Ob man beide Titel haben muss ist schwer zu sagen. Wem es in erster Linie auf Wiederspielwert ankommt, der ist sicher mit dem zweiten Teil besser bedient. Dafür bleibt die Erzähldramatik beim direkten Vergleich mit Shinsengumi einen Tick auf der Strecke. Der Zielgruppe hat eh eine zu geringe Spielauswahl, von daher erübrigt sich hier wahrscheinlich eine Entscheidung, da beide Titel sehr günstig zu bekommen sind.