Faults

Am 16. Mai 2015 in film oberlippenbarthouse

Am Ende des Films Faults musste ich erst einmal schlucken. Neunzig Minuten spielt Leland Orser den Sektengegner Ansel so gekonnt gut auf dem schmalen Grat zwischen mitleidserregend und in jede Richtung unsäglich, dass man ihn in seinem braunen Anzug, mit dem borstigen Powerschnauzer und dieser selbstverschuldeten Aussichtslosigkeit im Leben am liebsten mit der Schaufel erschlagen und im Garten vergraben möchte. Aus Mitleid und reiner Nächstenliebe versteht sich.

Spielen können sie in diesem Film zum Glück alle. Und das ist auch nötig, denn abseits von den Figuren gibt es bei Faults nicht wirklich viel zu sehen oder zu hören. Auf musikalische Untermalung wird gänzlich verzichtet und die wenigen Schauplätze des Geschehens sind mindestens so hässlich wie Ansels Sakko. Oder Ansel.

Am Ende, wenn der Twist abgesackt ist und man schweigend dasitzt, wird ein Schuh draus. Ich war zu diesem Zeitpunkt zufrieden. Bis dahin mutete mir die Figur Ansels aber so einiges zu und es fühlte sich an, wie bei meinem Problem mit Lou Bloom in Nightcrawler. Den konnte ich auch nicht so richtig ertragen. Aus anderen Gründen aber mit dem selben Ergebnis.

Empfehlen möchte ich Faults trotzdem, denn am Ende ist es ein besonderer Film, der sich so gar nicht in irgendwelche Schubladen stecken lässt. Und das ist es doch, was Arthouse ausmacht. Entschuldigung: Oberlippenbarthouse, wie ich Filmkunst mit dicken Schnurrbärten in Zukunft an dieser Stelle im Netz nennen werde.