Ins Schwarze

Am 24. Oktober 2017 in spiel

Das Schwarz sind die Weiten unserer Milchstraße im Spiel Elite Dangerous. Wer im Spiel als Händler umherreist, sein Geld als Kopfgeldjäger verdient, oder lieber das Kopfgeld ist und als Pirat sein Unwesen treibt, hält sich in der Blase auf. Die Blase ist das von Menschen besiedelte Gebiet rund um unser Sonnensystem herum. Dort gibt es orbitale und planetäre Stationen an denen Güter gekauft, Treibstoffe getankt und Reparaturen am eigenen Schiff in Auftrag gegeben werden können. Außerhalb der Blase, also im Schwarz werden Stationen rarer und im Zentrum, am supermassiven Schwarzen Loch des Sagittarius A* Systems gibt es sie gar nicht mehr. Das bedeutet, dass eine Reise hierher entsprechend gut vorbereitet sein sollte. Ein Raumschiff mit einer hohen Sprungweite durch den Hyperraum ist Pflicht. Dazu eignen sich zum Beispiel ganz hervorragend die größeren Schiffe, die auch Abkürzung über Krümmungen im Raumzeit-Kontinuum an Neutronen-Sternen aushalten, ohne in diesen zu Spaghetti verarbeitet zu werden. Oder man macht es wie ich, ignoriert Tipps und Warnungen gleichermaßen, schmeißt zugunsten der Reichweite und der Stromversorgung alle Waffen und Schilde raus und fliegt einfach so mit einer Sprungweite von exakt 24,7 Lichtjahren los in Richtung des Zentrums. Eine Strecke von ziemlich genau 25.999,99 Lichtjahren. Do the Math. 1.050 Sprünge Luftlinie, pardon Luftleerer-Raumlinie. Spoiler: Die Linie war öde, also habe ich hier und da noch ein paar Abstecher zu Sehenswürdigkeiten unserer Galaxis eingelegt.

Ein Sprung bedeutet in Elite Dangerous den Frame Shift Drive zu aktivieren, der sich daraufhin auflädt. Dann kommt der eigentlich Sprung durch den gekrümmten Raum ins Zielsystem. Dort angekommen gilt es am nächstgelegenen Stern wieder die nötige Energie aufzuladen. Zu guter letzt muss das Schiff abkühlen und der Frame Shift Drive kann erneut aktiviert werden. Das ganze dauert keine drei Minuten. Ist aber halt auch nicht besonders abwechslungsreich und kann nicht automatisiert werden. Passe ich im Moment des Eintritts nicht auf, weil ich zum Beispiel kurz eingenickt bin (passierte mir mehr als einmal) oder weil ich nebenher Netflix geguckt habe, kann es sein, dass das Schiff vor der Kollision mit einer Sonne (auf die ich zum Tanken immer automatisch und direkt zusteuere) den Nothalt aktiviert. Dann heißt es abwarten, weil ein nervig langer Kühlprozess einsetzt, bevor es mit der Reise weitergehen kann. Vom Schaden an einzelnen Modulen und der Hülle mal ganz abgesehen.

Ich bin oft in diese Situation gekommen. Zweimal bin ich außerdem beinahe auf der Oberfläche eines Planeten zerschellt, weil ich zur Abwechslung mal etwas anderes sehen wollte. Dann war da noch der lausige Pirat, der mich beim Andocken an eine einsame Station im Schwarz beschossen hat. Das Spannende hierbei: Nach dem Tod lande ich wieder auf der letzten Station, an der ich angedockt habe. Auch mein Spielfortschritt wird auf diesen Punkt zurückgesetzt. Bei einer Reise ins Schwarz kann das also bedeuten, dass 500 Sprünge oder mehr umsonst gewesen sind. Hui! Die positiven Aspekte einer solch langen Reise sind (neben der Erweiterung des eigenen Horizonts, weil man eine Ahnung davon bekommt wie verdammt groß das da draußen ist) die Entdeckungen, die beinahe stetig über die Schiffsscanner, manuell wie automatisch, registriert werden. Diese Daten können nach einer langen Reise ins Schwarz nämlich für viel Geld verkauft werden. Der Haken an der Sache: Um diese Daten verkaufen zu können, muss eine Station angeflogen werden. Genau. Die gibt es dort draußen nicht.

Ich sitze hier also in einem Raumschiff am Zentrum unserer Galaxie, habe eine einigermaßen seltene Spieltrophäe freigeschaltet und hocke nun buchstäblich auf mehreren Millionen Spielgeld, bin aber Lichtjahre von einem Punkt entfernt, an dem ich es kassieren könnte. Daher habe ich mich entschieden, als nächstes ins Colonia System irgendwo im Colonia Nebel zu fliegen. Eine Art Pilgerstätte der Elite Dangerous Community. 465 Sprünge. Ja, warum nicht? Die Blase wird mich aber wohl so schnell nicht wiedersehen. Das ist mir dann doch eine Runde zu viel des Guten. Außerdem treiben dort derzeit eh die Thargoids ihr Unwesen. Diese außerirdischen Wesen, die zuerst passiv umherflogen und jetzt aktiv im Konflikt mit der Menschheit stehen, sind so gar nicht meins. Ich kann mich ja nicht einmal eines Piraten erwehren.

Ich bleibe lieber hier draußen. Im Schwarz. Alleine. Noch.