DoDonPachi Maximum

Am 17. November 2013 in spiel

Schatz, ich hab’ da jemanden kennengelernt. Nicht etwa beim Feiern oder so. Nein, hier auf dem iPad. Ich rede jetzt aber nicht von irgendeiner miesen Dating-App oder einem öden Chat-Programm. Ich rede von einem Shoot’em-Up, kurz Shmup: Ihr Name ist DoDonPachi Maximum.

Ohrfeige!

Alte Liebe rostet nicht, sagt das Phrasenschwein und das Ferkel hat Recht. Es ist eine sehr alte Liebe, die bei mir jetzt wieder aufflammte. Früher habe ich Shmups sehr gemocht. Kein Genre reflektiert besser die Maxime der alten Spielhalle: „Easy to learn, yet hard to master”. Fast immer auf Basis der magischen Zahl Drei. Drei Leben, drei Bomben und drei Level, die ich mit wenig Anstrengung schaffen kann. Mit dem vierten Level war es dann meistens vorbei. Also habe ich geübt, bis meine Finger bluteten und bis sich mir die Schussmuster, die im Laufe der Zeit immer dichter und spektakulärer wurden, auf meiner Netzhaut eingebrannt haben. Ich habe Shmups gespielt, geliebt und bis heute kein einziges gemeistert. Offensichtlich fehlt mir da ein Enzym.

Irgendwann war die Beziehung zum Genre deshalb arg angespannt. Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich dürfte beim Thema nicht mehr mitreden, ohne dass ich diese Art Spiel studiere. Das gleiche erlebte ich schon mit den Beat’em-Ups, den klassischen Einer gegen Einen Prügelspielen. Auch die sollten plötzlich studiert werden. Ich war davon derart genervt, dass ich solche Spiele bis heute nicht mehr richtig angerührt habe (und auch nicht vermisse).

Bei Shmups war das anders. Dank der Cave Portierungen auf die Xbox 360 und das iOS System, schlichen sie mir immer hinterher und ich habe mich immer mal wieder daran probiert. Die iOS Portierungen waren mir auf dem iPhone zuerst viel zu fusselig. Später auf dem iPad sah das ganze schon viel schöner aus. Aber das iPad an sich war mir immer schon zu unhandlich und viel zu schwer, um darauf vernünftig zu zocken. Dann kam das iPad Mini. Das ist leicht und liegt gut in der Hand. Vor einigen Tagen probierte ich es dort erneut und zwar mit dem gut einem Jahr alten DoDonPachi Maximum. Und ich bin verliebt.

Neben dem iPad Mini liegt das aber natürlich vor allem am Spiel selbst. Maximum ist eine stromlinienförmige Hommage an das Genre, deren Verkleidung als Bullet Hell Simulator es ihr erlaubt, längst überfällige Relikte endlich über Bord zu werfen: Eine Story kann man sich in vier Bildern irgendwo im Options-Menü anschauen. Braucht eh kein Mensch. Kleine, halb nackte Lolitas gibt es endlich auch nicht mehr (dafür besann man sich bei Cave auf die wirklich wichtigen Dinge und packte eine Cyborg-Katze in die App. Hurra!). Grafisch präsentiert sich DoDonPachi Maximum dann auch noch wie es sich für eine Simulation gehört, irgendwo zwischen transparentem Pixel-Interface, Bildschirm-Einbrennungen und Taitos Galaga-Remakes von vor einigen Jahren. Ein Genre wird entstaubt. Eine runde Sache.

Das Spielprinzip bleibt dabei weitgehend unberührt, erlaubt sich aber zwei mutige Änderung: Habe ich eine rettende Bombe eingesetzt, kann ich durch den Abschuss von einer bestimmten Anzahl Gegner diese Bombe wieder aufladen. Hier hat die magische Zahl Drei ausgedient. Außerdem werden meine Leben bei jedem Level-Anfang wieder zurückgesetzt. Shmup-Profis laufen jetzt ins Bad, waschen Hände und Augen mit Kernseife, putzen sich die Zähne und verbrennen ihre Klamotten, die sie beim Lesen dieses Textes anhatten. Wieder- und Neueinsteiger, die einen Zugang zu dieser Art Spiel suchen, kommt das hingegen sehr gelegen (Hier, ich!).

Und ich spiele es seit Tagen mit fast schon vergessenem Eifer. Nur, um immer noch einen Zähler mehr auf die eigene High Score zu packen. Und um einen weiteren Level freizuschalten. Und um abends im Bett, bei geschlossenen Augen endlich wieder Schussmuster zu sehen. Und dann wäre da doch wieder die magische Zahl Drei. Bis Level Drei geht nämlich alles gut. Danach ist wieder Schluss. Manche Dinge ändern sich eben nie. Ich werde auch dieses Spiel nicht meistern. Aber das ist mir egal. Hach, DoDonPachi Maximum <3