Deadpool

Am 18. Mai 2016 in film

Irgendwie hat es Deadpool in den mittlerweile nicht mehr ganz so überschaubaren Wust an Superhelden-Filmen geschafft. Phase irgendwas. Rated R, wie “richtig brutal”. Also mit viel Blut und bitterbösem schwarzen Humor. Das ist neu und letzterer richtig gut. Im Gegensatz zur dünnen Story. So wunderbar erfrischend es ist, einem Antihelden beim gewissenlosen Abschlachten böser Handlanger zuzuschauen, so nervig und stellenweise frustrierend ist es, ihn dabei in altbekannte Handlungsabläufe hinein gezwängt zu sehen. Handlungsabläufe, bei denen die einzige wirkliche Überraschung die ist, dass es offensichtlich noch Drehbuchautoren gibt, die dafür bezahlt werden, die Braut des Protagonisten entführen zu lassen.

Da kann Deadpool noch so oft die vierte Wand durchbrechen und extra betonen, dass er kein Held ist: Hinterher ist er es natürlich doch und alles kommt genau so, wie man es von einem Film dieser Art befürchtet. Ernüchternd und auch ein bisschen enttäuschend. Darüber macht sich Deadpool selbst schon im wohl ehrlichsten (und bestem) Vorspann des Genres lustig. Geholfen hat mir das im weiteren Verlauf des Spektakels aber nur zum Teil.

Immerhin: Eine Vollversammlung an Superhelden, wie Disney sie in den jüngsten Marvel-Filmen immer öfter ausruft, bleibt aus. Warum von den vergleichsweise wenigen Mutanten im Film nun einer aber unbedingt der am Computer animierte Colossus mit Babysitter-Komplex sein muss und dieser dabei auch noch spricht wie Arnold Schwarzenegger in Red Heat ist für mich nur schwer nachzuvollziehen. Wenn man sparen will (oder muss) und obendrein noch in einem undurchsichtigen Geflecht aus Lizenzen hängt, kommt als Geburtstagsüberraschung wohl nicht der große Zabbatini zur einhundertelfzigsten Superhelden-Entstehungsgeschichte sondern bloß Krusty, der Clown.

Unterm Strich bleibt für mich daher nur der Merc with a Mouth, bei dem Ryan Reynolds zumindest alles richtig gemacht hat und dessen ständige Monologe es erstaunlicherweise immer wieder schafften, mich von der Schema F-Handlung abzulenken. Der Rest kann halt weg. Aber das stört bei einem Superhelden-Film sicher eh nur die wenigsten.