Darkest Dungeon

Am 20. Oktober 2016 in spiel

Meine Frau und ich lieben es, Darkest Dungeon zu spielen. Dafür holt sie aber nicht etwa das aufreizende Burgfräulein-Kostüm aus dem Schrank und ich auch nicht die mit Plüsch bezogenen Handgelenkfesseln, sondern im besten Fall eine Schüssel Erdnussflips oder auch mal eine Tafel gute Schokolade. Und wir geben uns da auch keine Tiernamen, sondern eher die alten Schwarze Auge-Namen. Das hier ist schließlich immer noch Morgvom.org und nicht irgendein Beziehungsblog und „Darkest Dungeon“ ein großartiger Rogue-Like Dungeon Crawler auf der Playstation und nicht bloß ein kinky Rollenspiel im Schlafzimmer.

Zur Sache geht es trotzdem, denn der Tod, der sich zwischen zwei Staffeln Game of Thrones ja gerade eher so langweilt, ist bei „Darkest Dungeon“ ständiger Begleiter. Da macht das Spiel keinen Hehl daraus: „Bei Darkest Dungeon geht es darum, das Beste aus einer beschissenen Situation zu machen“. So oder so ähnlich begrüßt mich das Spiel. Und Junge, Junge, da haben sie recht. Der zusammengewürfelte Vierer-Haufen aus etwa einem Dutzend Klassen, vom Kreuzritter bis zum Barden, liegt manchmal schneller auf dem Friedhof, als man „Seawead Slash my ass!“ rufen kann. Wenn man nicht aufpasst. Dafür laufen die Kämpfe rundenbasiert ab, um so taktisch wie möglich vorgehen zu können. Gefühlt eine Million Faktoren beeinflussen diese Schlachten und ich werden einen Teufel tun, auch nur auf einen Bruchteil davon hier einzugehen. Einen Mehrspieler-Modus besitzt das Spiel übrigens nicht, trotzdem lässt es sich hier wunderbar zu zweit planen und taktieren.

Der Knackpunkt, warum „Darkest Dungeon“ aber so sauschwer ist, betrifft gar nicht mal die Lebensanzeige der einzelnen Party-Mitglieder, sondern eher deren Stressbalken, einige Pixel weiter unten. Die “Helden” in Darkest Dungeon” sind Mimosen. Allesamt. Jeder Furz stresst sie. Wird es zu dunkel, kriegen sie Stress. Erhalten sie hohen Schaden, kriegen sie Stress. Lesen sie düstere Geschichten in einer Schatztruhe, die ich eigentlich nach Gold untersuchen will, kriegen sie Stress. Ist der Stressbalken einmal aufgeladen, fallen sie in eine Art Notmodus. Das kann sich negativ oder positiv auf den weiteren Verlauf des Kampfes auswirken. Da geben sich dann zum Beispiel Selbstmordgedanken, Depressionen oder Heldenmut ein Stelldichein. Je nach seelischer Beschaffenheit. Lädt sich der Stressbalken ein zweites Mal auf, stirbt der jeweilige Krieger an einem Herzinfarkt. Aua.

Zugegeben, das klingt so jetzt erst einmal nicht nach optimalem Spaß, aber genau das ist es. Denn so sehr ich bei diesem Spiel auch fluche, so sehr ich mir oft wünschte, dass ich mit dieser einen Party lieber nicht in den Kerker gezogen wäre und obwohl ich jeden Taler zweimal umdrehen muss, um genügend Fackeln und Proviant für das nächste Labyrinth zusammen zu bekommen, mag ich dieses Spiel sehr. Und am besten fühlt es sich wirklich dann an, wenn man nach einer schier ausweglosen Situation mit Geschick und einer Prise Glück dem Party-Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen ist.

Das macht es danach natürlich nicht leichter, denn gestresste Helden müssen zwischen den Runden am Spieltisch, in der Kirche oder gar in einem Bordell wieder aufgepeppt werden. Neue Helden wollen sorgfältig rekrutiert werden, die Schmiede und andere wichtige Gebäude wollen für bessere Leistung ausgebaut werden und im Sanatorium kann ich meinen Gilden-Mitgliedern negative Eigenschaften ausmerzen, was aber auch zu neuen Eigenarten führen kann und somit die eh schon hohe Komplexität dieses Titels noch einmal gehörig ansteigen lässt. Beachte ich all das nicht, gerät der nächste Einsatz schnell zu einem Trip in den sicheren Tod. Da kann ich euch nur einen echten Pro-Tipp mit auf den Weg geben: die eingangs erwähnten Erdnuss-Flips oder gute Schokolade. Das senkt zumindest den eigenen Stressbalken beim Spielen etwas herab.