Daredevil (Staffel Zwei)

Am 27. März 2016 in serie

Daredevil ist keine besonders anspruchsvolle Serie. Wenn nicht gerade gekämpft wird, wird viel geredet, aber wenig damit ausgesagt. Das ist nicht wirklich ein Problem, denn Daredevil funktioniert ganz prima, wenn man einfach mal abschalten will. Einfach mal zurücklehnen, hier über einen One-Liner oder da über einen käsigen Dialog schmunzeln und immer wieder Knochenbrüche in den Prügelphasen zählen. Daredevils Darstellung des Helden in Staffel Eins war die eines schonungslosen Draufgängers. Einer, der sich nicht zurückhält, wenn es um das Verteilen von Leberhaken, Aufwärtsschwingern und fliegenden Tritten ging. Das war in diesen Ausmaßen für mich neu, denn immerhin prügelt sich der Protagonist hier nicht mit mutierten oder künstlich aufgepumpten Gegnern sondern mit dem Urtyp des gemeinen Handlangers. Sicherlich durch eine harte Jugend und viel Training gestählt, aber immer noch menschlich und damit nie gefeit, eine Wirbelknochenfraktur oder ein Stück Nasenbein im Gehirn davonzutragen. Natürlich passiert das nicht, denn der Teufel von Hell’s Kitchen tötet nicht, wie er uns immer wieder unmissverständlich klar macht. Und Unfälle, wie etwa ein Stück Nasenbein im Gehirn eines verprügelten Gegners passieren ihm auch nicht.

Jetzt, in Staffel Zwei, kommt der Punisher daher. Der bringt die Handlanger des Bösen reihenweise ins Grab und meistens so, dass zum Aufräumen Eimer und Wischmob nötig sind. Ganz nebenbei entzieht er dem Daredevil damit aber auch den brachialen Charme, der diesen bislang umgab. Matt Murdock ist jetzt der, der sich zurückhält. Menno.

Das der sich für diesen Umstand auch noch in nichtssagenden Dialogen rechtfertigen muss, in denen er der brachialen Rationalität des Punishers hoffnungslos unterlegen ist, hilft dem angekratzten Image auch nicht weiter. Es bleibt also nur das Bestaunen der wunderbar choreografierten Prügelszenen, bei denen jetzt aber immer dieser eine Gedanke mitschwingt:

Der Punisher, der wäre da nicht so zimperlich!