Child of Light

Am 11. Mai 2014 in spiel

Wann genau habe ich eigentlich aufgehört Rollenspiele zu zocken? Das müsste nach Final Fantasy VIII gewesen sein, als ich dank Sehnenscheidenentzündung vom Anfeuern der Guardian Forces erst einmal eine Woche gar nicht mehr spielen konnte. Danach war bei mir irgendwie die Luft raus. Rundenbasierte Kämpfe waren für mich gestorben.

Jetzt kommt Child of Light. Eine gefühlt kleine Entwicklung, die Industriegigant Ubisoft direkt zum Launch auch gleich erstmal mit taktlosen, kostenpflichtigen Zusatzinhalten befleckt. Ungeschickt, was die öffentliche Darstellung des Unternehmens angeht, sind sie eben alle. Heißen sie nun Ubisoft, Electronic Arts oder Activision.

Schwamm drüber, denn Child of Light hat etwas ganz großartiges geleistet. Es hat mich zurück zum Rollenspiel geführt. Da schreit die Hardcore-Front jetzt erbost im Einklang auf, ich weiß. „Zu einfach!” rufen die einen, „Casual!” und „Kein richtiges JRPG!” die anderen. Eigentlich hat das Rollenspiel in Child of Light aber bloß eine tolle Optimierung erfahren und wurde rundum stromlinienförmiger gemacht. Das gilt leider nicht für den unsäglichen Sidekick, der ähnlich verkorkst wie bei Dragon’s Crown mit dem rechten Analog Stick gespielt werden muss. Das braucht doch wirklich niemand. Bitte hört auf damit.

Mein Highlight sind die auf Runden basierenden Kämpfe, deren taktischer Kniff aus einer Aktions-Zeitleiste für alle Parteien und der Möglichkeit, initiierte Aktionen der Gegner auf dieser zu unterbrechen, besteht. Einige Charaktere können die Eigenschaften, wie sich Beteiligte auf dieser Zeitleiste bewegen, mit Magie beeinflussen. So bietet Child of Light, basierend auf der eigenen Kämpfer-Kombination (es dürfen immer zwei Kämpfer in der eigenen Party aktiv sein) verschiedene taktische Herangehensweisen, um Gegner zu besiegen.

Und ja, es mag Casual sein, dass ich gefallene Gegner im laufenden Kampf einfach so mit anderen Party-Mitgliedern ersetzen kann. Mag ich trotzdem. Obendrein belohnt mich das Spiel in wunderbarer Regelmäßigkeit mit Level-Aufstiegen und weiß mich auf diese Weise optimal zu motivieren.

Überall lassen sich in den großzügig angelegten versteckten Arealen im Spiel außerdem versteckte Edelsteine und -metalle finden, die ich in einem Extramenü kombinieren und raffinieren kann. Deren Ergebnisse können dann die Eigenschaften meiner Garde verbessern.

Ich denke, ich muss hier nicht mehr erwähnen, wie unglaublich hübsch Child of Light geworden ist. Wunderhübsch! Und das gilt nicht nur für die in Wasserfarben gehaltene Umgebung sondern auch für sämtliche Animationen und das Charakterdesign.

Textbrocken, die zum Fortfahren weggeklickt werden müssen, aus denen die Konversation in Child of Light zu 95 Prozent besteht, lese ich schon lange nicht mehr. Das ist schade, bedenke ich die anderen fünf Prozent, in denen die Geschichte von einer tollen Stimme (genau wie beim Text in Reimen) erzählt wird.

Die fantastische Welt und ihre schrägen Figuren haben mich trotzdem bis zum Schluss gefesselt und machen dieses Spiel für mich zu einem besonderen Erlebnis. Klar ist es einfacher als andere Spiele dieser Gattung, aber gegen ein zugänglicheres Rollenspiel, das trotzdem noch taktische Finessen aufweist, habe ich absolut nichts einzuwenden. Ich wünsche mir das gleich noch für ein Prügelspiel. Auch so ein Genre, das ich damals irgendwann aufgehört habe.