Calvary

Am 24. Oktober 2014 in film

Kommen zwei Iren in eine Bar.

Und dann drei und dann vier. Und plötzlich sitzt die Irish Cream de la Crème bei einem frisch gezapften dunklen Bier an einem Tisch und es ist das Filmset von Calvary, dem ein verkrampfter und gescheiterter BWL-Student zwischen zwei Soja-Latte den dämlichen Namen „Am Sonntag bist du tot” gegeben hat.

Gut, der Name ist Programm. Aber nur weil der Hauptfigur genau das bereits nach fünf Minuten im Film angedroht wird, ist das noch lange kein guter Filmtitel. Aber ein guter Film. Denn Calvary gleicht einem Theaterstück, mit einer Handvoll sauguter Schauspieler und bissigen Dialogen, die mich immer wieder aus der Lethargie rissen, die von der Idylle und der Ödnis des verschlafenen Örtchens ausgeht.

Hier will man nicht wohnen. Auch die Bewohner wollen hier nicht wohnen. Sie hassen es und sich und gerade deswegen ist der Film immer dann am stärksten, wenn sie trotzdem alle abends im selben Pub aufschlagen. Und weil Brendan Gleeson hier keinen Alleingang hinlegt, sondern mit Chris O’Dowd, Aidan Gillen und Dylan Moran auf einer Linie und zwar auf verdammt hohem Niveau spielt.

Calvary ist bitterer Stoff, bei dem einem das Lachen auch mal im Hals stecken bleibt. Ein Film, der sich nicht bemüht, alle Fragen, die er aufwirft, letzten Endes auch zu beantworten, aber einer, der es schafft, in diesen Momenten trotzdem überzeugend stark zu sein. Großes Arthouse-Kino.