Broforce

Am 6. März 2016 in spiel

Broforce ist das beste Spiel der Welt. Das ist eine plumpe Phrase, aber plump passt zu Broforce, wie die Faust auf das zermatschte Auge. Broforce mischt Bro-Kultur (sagt mir nichts) mit dem schönen Gefühl, zurück in die Achtziger gereist zu sein. In den Ferien. Mit einer Tüte voller VHS Kassetten, Erdnussflips und mit einem Was-ist-Was-Buch auf dem Schoß. Als stabile Unterlage für den Competition Pro Joystick, versteht sich.

Da hat man sich nach Enter the Dragon und Missing in Action noch freundschaftlich darüber gezankt, wer bei einem Kampf zwischen Bruce Lee und Chuck Norris denn nun gewinnen würde. Zur Versöhnung gab es danach mehrere Runden Commando auf der Brotkiste C64, wobei man abwechselnd selbst spielte oder bloß per Leertaste die Granaten warf. Und weil man damals schon nicht richtig gut mit fettigen Erdnussflips-Fingern zocken konnte, hat man dann einfach Schwarzenegger in Phantom Commando oder Stallone in City Cobra angeschaut. Nicht selten mussten Knie mit Eis gekühlt werden, weil der Roundhouse Kick gar nicht so einfach war, wie er bei Chuck Norris ausschaute.

Broforce auf der PS4 (gibt es wohl auch für Mac, Windows und Linux) ist alles auf einmal: Geliebte Achtziger-Action-Helden, staubige Pixel-Optik und eine relativ einfache Spielmechanik. Hinzu kommen viel Bums und Explosionen, drei Eimer Blut und eine völlig überzogene Gewaltdarstellung. Nur die Erdnussflips müsst ihr noch selbst besorgen.

Ähnlich wie beim ganz großartigen Hotline Miami ist es die reduzierte Grafik, die aus dieser Gewaltorgie erträgliche Kunst macht. Das ist auch bitter nötig, denn wenn die Bros ins Gefecht ziehen, machen sie keine halben Sachen. Einzelne Gebiete müssen von links nach rechts auf der Suche nach Gefangenen durchquert werden. Befreite Bros dienen als Extraleben und übernehmen sofort das Kommando, sprich: werden von mir gespielt. Das kann genial sein, zum Beispiel im Falle des tödlichen Blade-Verschnitts oder eher ungemütlich, wenn ich plötzlich wieder der olle McGyver bin. Denn jeder Bro hat eine seinen Markenzeichen entsprechende Nah-, Fern- und Spezialwaffe. Erkennen kann ich vorher nicht, wenn ich befreie und danach weiterspielen muss. Das macht die Sache abwechslungsreich und spannend. Sind alle Bros gefallen, geht es an großzügigen Rücksetzpunkten von vorne los.

Am Ende des Tages gibt es nicht viel mehr zu tun, als Gegner, Fässer und Wände in die Luft zu jagen oder zu durchlöchern und dann hochzujagen, aber diesem Spiel haftet eine Faszination an, die mich stundenlang genau das tun lassen will. Immer wieder. Nur noch ein Level. Onlinespiel (hat bei mir nicht funktioniert) und Couch-Koop sorgen für den nötigen Party-Spaß.

Da verzeihe ich dem Spiel auch, dass Brobocops Markenzeichen, die Auto-9 Millimeter, vier Kugeln auf einmal schießt, wo doch jeder weiß, dass die immer bloß drei Schüsse pro Salve abgegeben hat. Aber die nervige Sekundenpause, die immer kurz nach Beginn eines Levels eintritt, während sich alles andere schon auf mich stürzt, die muss dringend weg. Wenn dem so ist, ist Broforce das beste Spiel der Welt. Bestimmt.