Brothers - A Tale of Two Sons

Am 25. März 2014 in spiel

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle eine Ode an das wunderbare Brothers niederschreiben, für das ich dummerweise nie Zeit fand und welches mir in diesen Tagen aufgrund meines Playstation Plus Abonnement quasi hinterher geworfen wurde.

Zum Glück. Denn seit Wochen schlummert die Demo des Spiels auf der Festplatte meiner Playstation 3 und dann wurde sie auch noch unter zahlreichen Neuerscheinungen und anderen Plus-Titeln in der Spieleliste begraben. Und begraben ist ein gutes Stichwort, um hier mal perfekt überzuleiten.

Denn auch die titelgebenden Brüder des Spiels haben etwas zu Grabe getragen: ihre Mutter, die ertrunken ist. Deswegen hat der kleinere Bruder jetzt Angst vor Wasser. Blöd, denn Wasser kommt im Spiel recht häufig vor. Gut, dass der große Bruder immer an seiner Seite weilt und ihn im Falle einer Wasserüberquerung sicher auf dem Rücken trägt. Und nicht nur in diesem Fall sind die Brüder aufeinander angewiesen. Nur mit vereinten Kräften können die Rätsel gelöst und somit das Weiterkommen in Brothers vorangetrieben werden.

Der Clou: Ich steuere beide Brüder mit einem Pad. Der linke Analogstick dirigiert den großen Bruder, der rechte den kleinen. Mit der linken, beziehungsweise der rechten Schultertaste agieren die Brüder mit ihrer Umgebung: klettern, ziehen, drücken, tragen. Oder auch mal ganz andere Handlungen, die überall in der Spielwelt versteckte, kleine Details preisgeben. Diese Steuerung klingt schwierig, geht aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase überraschend gut von der Hand und “Brothers” verlangt fairerweise nie mehr von mir, als ich auf diese Weise gehandicapt erbringen kann.

Aber das macht Brothers gar nicht zu dem Epos, das dieses Spiel ist. Es ist die Geschichte um den frisch erkrankten Vater, der das Wasser des Lebensbaums benötigt, zu dem sich die beiden Söhne daraufhin aufmachen. Es ist das Abenteuer, das mich von einem friedlichen Dorf, in dem der kleinere der Brüder noch zu Späßen aufgelegt ist, hinaus in eine feindselige, von Traurigkeit bestimmte Welt führt. Und spätestens im Land der Riesen wird es episch. In der wahrscheinlich großartigsten Kletterpartie der Videospiel-geschichte komme ich aus dem Staunen ob der Aussicht kaum noch heraus. Dann ist Brothers ein neues, vielleicht sogar besseres Ico.

Aber das Spiel kann auch anders. Mir emotional in die Fresse schlagen, zum Beispiel. So stark, dass ich mir über den Ausgang des Spiels noch eine ganze Weile Gedanken machte. Es gibt eine Szene, sehr früh im Spiel, in der ich als einer der Brüder ein Kind auf eine sehr unfaire Weise zum Weinen bringen kann. Das steht im Kontrast zu der allgemein vorherrschenden Auenland-Atmosphäre der ersten Kapitel des Spiels. Wie es sich dann herausstellt, ist diese Szene allerdings nur ein Vorgeschmack auf das, was Brothers fähig ist zu tun. Das ist mutig. So mutig dürfen Videospiele gerne öfter einmal sein.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls gespannt, was Entwickler Starbreeze nach “Brothers” nun als nächstes anstellen wird. Hohe Erwartungen sind das, liebe Entwickler.