Bloodborne Alpha

Am 2. Oktober 2014 in spiel

Spoiler (ausnahmsweise)!

Vor ein paar Wochen erreichte mich eine Mail von Sony, deren Inhalt ich mit einer gewissen Skepsis vernahm: Mein Können wurde erkannt, hieß es dort. Zur Belohnung, hieß es dort, könnte ich am Bloodborne Alpha Test teilnehmen. Hamse gesagt. Nun, ich habe nach fünf Jahren PSN immer noch keine einzige Platin-Trophäe. Der Verdacht kam auf, diese Mail wurde wahllos und wahrscheinlich auch zahllos verschickt.

Jetzt, gut zwei Wochen später und nach einem vier Gigabyte großen Download bestätigt ein Blick in meine PSN-Freundesliste eben diesen vorher noch sehr leisen Verdacht. Knapp die Hälfte meiner imaginären Freunde zockt dort den Bloodborne Alpha Test. Bloodborne, das ist dieses Spiel von diesen Leuten, die Dark Souls und Demon’s Souls gemacht haben. Da gibt es Leute, die schwören auf diese Spiele, weil sie so unbarmherzig und belohnend zugleich sind. Ja, kann man machen.

Ich starte die Alpha und wähle mir einen von vier schwarz gekleideten Dämonenjägern aus. Ich entscheide mich für Schwarz und wähle den “agilen” mit den Messern. Wenn ich nämlich eins nicht mag, ist es träges Schlurfen in Videospielen. Ich materialisiere mich in einer düsteren Welt, die gleichermaßen verkommen und abschreckend wirkt. Herrlich. Ich schlurfe träge drauf los. Menno.

Heike (Name von der Redaktion geändert) sagt mir per Whatsapp, das müsse so sein. Ist ja eine Alpha. Heike hat, wenn ich mich nicht irre, alle Dark- und Demon’s-Spiele auf Platin gezockt. Ich habe nur einmal dreißig Minuten Dark Souls gespielt und bin, so sagt Heike, dummerweise „oben lang gelaufen”. Das war wohl ein Fehler. Für mich hatte es gereicht, diese Spiele nicht mehr anzufassen.

Die Bloodborne-Alpha schweigt sich genau wie diese anderen Spiele komplett darüber aus, wo ich hingehen muss und was ich machen soll, wenn ich dort angekommen bin. Sie macht mir aber unmissverständlich und mit Schaufeln, Schwertern, Musketen und Mistgabeln klar, dass ich hier nicht willkommen bin. Ich irre durch diese dunkle, kaputte Welt, die aus Pflastersteinen und Särgen zu bestehen scheint. An einer Kutsche wartet ein gebückt stehender Mann. Ich möchte ihm zu Hilfe eilen. Er will mir lieber den Schädel einschlagen. Mit Pistole und Messer überzeuge ich ihn, dass er doch Hilfe braucht.

Es folgen weitere Gestalten, die ich ähnlich zu Kleinholz verarbeite, bis ich einem fetten Metzger mit Axt begegne. Er scheint seiner Zunft abtrünnig geworden zu sein und frönt wohl seit neuestem der Dezimierung sogenannter Dämonenjäger. Ich schleiche mich vorsichtig an ihn heran und bekomme besagte Axt sogleich und überaus geschickt in den Schädel gerammt. Ich bin erstmal tot. Tot bedeutet in dieser Alpha, dass ich gefühlt zwei Minuten dem Bloodborne-Logo beim Laden zuschaue. Von einem entfernten Rücksetzpunkt mache ich mich erneut auf, den Metzger mit empor gestreckten Zeigefinger zur Rede zu stellen.

Tot. Ladebildschirm. Rücksetzpunkt. Metzger. Tot. Ladebildschirm. Rücksetzpunkt. Axt? Welche Axt? Tot. Ladebildschirm.

Mein Blutdruck ist mittlerweile im mittleren dreistelligen Bereich und mein Hausarzt weiß nicht, warum er gerade schweißgebadet von einem seltsamen Gefühl aus seinem Schlaf gerissen wurde. Er legt sich wieder hin.

Ich fluche. Und ich merke ein weiteres Mal, dass diese Art Spiel überhaupt nichts für mich ist. Sie haben mein Können erkannt, hamse gesagt. Sorry, da müssen mein Können und ich euch leider enttäuschen, Sony. Wir sind die, die als Wind Blumen sammeln, die durch die Wüste hinter einem Lichtstrahl herlaufen und die, die ganz traditionell auf Raumschiffe und Soldaten schießen. Ihr müsst mein Können und mich verwechselt haben. Dumm gelaufen, kann aber mal passieren.

Dieser Text sagt rein gar nichts über den Zustand der Bloodborne Alpha aus. Wohl aber einiges über mich.