Blade Runner 2049

Am 14. Oktober 2017 in film

Blade Runner aus dem Jahr 1982 ist in meinen Augen ein perfekter Film. Er hat außer den Namen der Protagonisten und der groben Rahmenhandlung nicht viel mit der Kurzgeschichten-Vorlage Phillip K. Dicks gemeinsam, aber in meinen Augen ist er perfekt. Und er ist sehr gut gealtert. Das durfte ich mit eigenen Augen erleben, als ich vor einigen Tagen den restaurierten Final Cut digital im Kino bestaunen konnte. Bei vielen Filmen seiner Zeit war selbige weniger gnädig. Ich denke da an Alien, ebenfalls von Ridley Scott, und an die berühmte John Hurt Szene, deren technische Umsetzung während der Wiederaufführung im Kino bei mir leider bloß noch Fremdscham verursachte. Bei Blade Runner aber gibt es diese Momente nicht. Am ehesten wäre es vielleicht noch die pseudodramatisch ruckelnde Zeitlupe mit der weißen Taube am Ende. Aber die ist eben auch nur dicht dran an der Grenze zu dem, was heute eigentlich nicht mehr geht.

Blade Runner 2049, der Nachfolger, hatte an diesem Double Feature-Abend im Kino für mich daher genau ein einziges Problem: den perfekten Blade Runner vorweg. Ansonsten hat Denis Villeneuve hier das geschafft, was Ridley Scott vor kurzem mit Alien: Covenant nur angekratzt hat: eine perfekte Fortsetzung. Der feinfühlige, respektvolle Umgang mit dem Original-Material, das wunderbar passende Ensemble, die optimale Balance zwischen der Ur-Geschichte und etwas Neuem. Hier funktioniert alles.

Im Original sind es die aufwendigen Set-Bauten, die den Film für mich zu etwas Besonderem machen. Wahrscheinlich waren die nur aus Platz- und Geldgründen derart eng und überladen gebaut worden, aber die Themen Überbevölkerung und Globalisierung wurden auf diese Weise perfekt widergespiegelt. Im Nachfolger sind die Sets eher weitläufig, haben aber trotzdem eine wunderschöne Bildsprache: Blau im Zusammenspiel mit der stilprägenden Neonreklame ziert das Urbane, die kargen ländlichen Gebiete sind in helles Grau gehüllt und ein Trip ins sandige Vegas lässt den Film im leuchtenden Orange erstrahlen.

„What happens in Vegas stays in Vegas“ sagt der Volksmund, bevor er sich mit einer Flasche Champagner unter dem Arm im nächsten Kasino zu einem Einzelschicksal macht, weshalb ich einen Teufel tun werde hier zu erklären, warum Ryan Gosling nicht nur die richtige, sondern auch die einzig mögliche Wahl für die Rolle des neuen Blade Runners ist. Auch auf die Momente, in denen ich mich an Drive (ebenfalls mit Ryan Gosling) erinnert fühlte, oder warum ich finde, dass Siri, Alexa und Cortana in Zukunft dringend ein Gesicht brauchen, will ich hier nicht eingehen. Ich bin übrigens sehr anfällig für diese als Warnung gemeinten technologischen Visionen in Filmen und Serien, wobei ich den Teil mit der Warnung immer sehr gut ausblenden kann und mir immer nur vorstelle, wie schön das alles für faule Menschen, wie ich einer bin, sein muss.

Während die viel zu kurze Bildschirmzeit von Dave Bautista auch nicht durch die hohe Bedeutung seiner eigentlich bereits für den ersten Teil geplanten Szene wieder gut zu machen ist, waren die ein oder anderen Längen, die ich im Kino verspürte, sicherlich den fünf Stunden geschuldet, die ich dort in einer Sitzung verbracht habe. Nichtsdestotrotz ist ein Film mit einer Laufzeit von zwei Stunden und vierzig Minuten im goldenen Zeitalter der Serienfolgen sicherlich eine Kampfansage an die Aufmerksamkeitsspanne.

Das Bangen um die Qualität eines neuen Blade Runner Films war jedenfalls berechtigt. Ich zumindest kann aber Entwarnung geben. Dieser Film ist großartig und ein würdiger Nachfolger. Bangen wir also zusammen, ob es noch einen dritten Teil geben muss. Es ist ja eigentlich nicht Hollywoods Art, Filmreihen mit qualitativ hochwertigen Beiträgen enden zu lassen.