Blade of the Immortal

Am 16. November 2017 in film

Wochenlang saß ich mit gekreuzten Beinen da, starrte voller Vorfreude aus dem Fenster ins Nichts und versuchte mich nicht vor Aufregung einzupinkeln. Ich wartete gebannt auf Takashi Miikes einhundertsten Film. Und obwohl ich wahrscheinlich achtzig davon scheiße finde, fand ich die Idee witzig, dass ausgerechnet der hundertste Film von Miike vom Hundert-Mann-Killer Manji handeln wird.

Die Manga und Vorlage zur Realverfilmung um den geächteten Ronin, der mit Hilfe mysteriöser Blutwürmer in seinen Adern schier unsterblich ist und der von der Waise Rin angeheuert wird, um die Mörder ihrer Eltern zu töten, habe ich zu einer Zeit bestellt, als es sowas nur in Übersee zu kaufen gab. Entsprechend ewig dauerte es, bis sie endlich hierzulande im lokalen Comicladen zur Abholung bereit lagen. Im Falle von Blade of the Immortal mehr oder weniger zerstückelt, weil die Amerikaner lieber jede Seite ob der anderen Leserichtung des japanischen Originals aufwendig umgestalteten, als alles zu spiegeln, wie es zu dieser Zeit noch üblich war. Immerhin. Dann gab es endlich die deutschen Ausgaben. Wesentlich günstiger, ebenfalls nicht gespiegelt, weil hier, wie heute üblich, die Original-Leserichtung beibehalten wurde und somit auch nicht aufwendig umgestaltet. Dafür aber ohne das Swatiska auf Manjis Kimono. Nicht immer schön retuschiert, aber hierzulande eben auch nicht anders möglich.

Drei von vier Story-Bögen habe ich durchgehalten. Der Dritte trat bereits so arg auf der Stelle, dass logischer Schlusspunkt und Halbwertzeit weit überschritten wurden. Die guten ersten beiden Bögen dienten dem Film nun als Vorlage. Ohne nachzuschauen würde ich sagen, dass es sich dabei um mindestens zwölf Bücher von insgesamt dreißig handelt. In einem Film! Und genau da liegt der untote Hund begraben.

Jeder von Manjis Widersachern, egal ob Ittô-ryû, Mugai-ryû oder Sonstein-ryû, hätte das Zeug zum Antagonisten für einen Film oder eine Folge einer Serie gehabt. Aber eine viel zu große Auswahl aller in einem Film am Fließband zu zerhacken und dabei wie ein Elefant im Porzellanladen an jedem halbwegs dramaturgisch wichtigen Eckpunkt der Geschichte vorbeizuschrammen wirkt doch leider sehr grob und gehetzt.

Fan-Favoriten wie Magatsu Taito werden dabei für mich völlig unverständlich erst aufgebaut, um dann wie eine heiße Kartoffel wieder fallengelassen zu werden. Rins Charakterentwicklung findet zwei Stunden gar nicht und dann in einer einzigen Einhundertachtziggradwende statt. Nebencharaktere, die in der Vorlage nicht alle Nase lang jemanden umbringen wurden gleich komplett wegrationalisiert, um … genau noch mehr, mitunter unerträglich lange Kampfszenen und noch mehr Tote im Film unterzubringen. Bis es einem völlig egal ist, ob da gerade ein Arm, ein Bein oder beides durch die Luft wirbelt, weil man als Zuschauer bereits nach einer Stunde völlig abgestumpft ist.

Natürlich ist es völlig legitim aus einem Comic wie Blade of the Immortal einen Hack‘n‘Slay Chambara-Streifen zum Gehirnausstellen zu machen, aber dann finde ich sollte der Film halt 90 Minuten und nicht zweieinhalb Stunden dauern. So bleiben am Ende für mich nur die perfekten Kostüme, die beinahe eins zu eins dem Manga entnommen sind. Auch die Waffen von Manji, seinen Mitstreitern und die der Widersacher sind perfekt denen aus den Comics nachempfunden. Da tut es umso mehr weh, dass diesem Film jeglicher Anflug von Tiefgang fehlt.

Bestimmt werden Miikes einhundertzehnter und einhundertzwanzigster Film den Rest der Vorlage verarbeiten. Also 2018 und 2019, wenn ich mir seinen Output so anschaue. Da werde ich dann aber wohl passen.