Asura's Wrath

Am 11. April 2012 unter spiel

Als ich vor einiger Zeit die Demo von Asura’s Wrath spielte, fragte ich mich, warum ich ein Spiel dieser Art überhaupt spielen sollte? Arena-Kämpfe mit oberflächigem Kampfsystem und Quick-Time-Events? Im Ernst? Meine hohen Erwartungen in die neue IP von Capcom ließen mich enttäuscht das Pad aus der Hand legen. Ich habe dem Spiel dennoch eine zweite Chance gegeben. Ich erinnerte mich an Ninja Blade auf der Xbox 360. Das hat mir sehr gut gefallen, trotz seiner hohlen Kämpfe und der vielen Knöpfchen-Reaktions-Tests. Vielleicht schlummert auch in Asura irgendwo Liebe, die ich erst entdecken muss? Ich habe die Vollversion also trotzdem gespielt. Und eine kleine Überraschung erlebt.

Ich war mir sicher, dass ich dieses Spiel nach den ersten drei Kapiteln wieder zurücklegen werde. Aber so war es nicht. Etwas ließ mich daran festhalten. Die Präsentation, die Geschichte und die eigenwilligen Charaktere. Kurzum: Das stimmige Gesamtbild. Wie damals schon Tenchu Kurenai präsentiert sich das Spiel im TV-Format, mit Vorschau auf die folgende Episode, eine Unterbrechung in der Mitte jeder Folge und einer Zusammenfassung am Ende. Das nicht nur einmal an Samurai Spirits erinnernde Figuren-Design (Asura/Kazuki, Yasha/Sogetsu, Augus/Zankuro, Wyzen/Neinhalt/Earthquake) tat sein Übriges und fesselte mich als alten Neo-Geo Hasen sofort. Der Hauptgrund aber, warum ich das Pad nicht mehr aus der Hand legen konnte, war die Geschichte und ihr außergewöhnliches Setting. Ôkami tat es mit Fingerspitzengefühl, wenn es Shinto-Mythologie mit einer Prise Science Fiction vermischte, Asura’s Wrath vermengt beides großzügig, packt noch hinduistische, nordische und griechische Mythen hinzu und schüttelt alles mit brachialer Gewalt gut durch. Götter kommandieren ganze Raumschiff-Flotten, haben mechanisch erweiterte Gliedmaßen und setzen gigantische Waffen im Kampf gegen ihre Gegner ein. Yay!

Gegner sind hier die Gohma. Das sind mal Gorillas, mal Nashörner, manchmal riesige Elefanten oder hin und wieder auch gigantische Schildkröten. Vom Aussehen her irgendwie von Innen nach Außen gekehrt und immer hässlich wie die Nacht. Sie wollen die sterblichen Bewohner umbringen und ihnen die Seelen klauen. Die Götter vernichten deshalb die Gohma. Und töten dann selbst die Sterblichen und klauen deren Seelen. Blöd, wenn man ein Sterblicher ist. Ich aber spiele Asura. Der ist selbst ein Gott, verheiratet, und hat ein Kind. Und ist Opfer einer göttlichen Verschwörung. Seine Frau stirbt, seine Tochter Mithra wird entführt, Obermotz Deus bringt ihn um. Nicht unbedingt der beste Tag im Leben eines Gottes. Aber Asura kehrt zurück. Das ein oder andere Mal. Und er ist sauer. Mächtig sauer. Er schreit und haut auf alles ein, was irgendwie zwischen ihm und seiner entführten Tochter steht: Gohma, Götter, Planeten. Kein Gegner war den Machern des Spiels zu groß, keine Situation zu abgefahren. Asura’s Wrath haut so ordentlich auf die Kacke, wie Asura auf seine Gegner ein.

Wer wie ich also wissen will, wie es denn weitergeht, muss das Spiel weiter zocken. So flach es auch ist. Und das ist es. Der Entwickler, Cyber Connect 2, dürfte einigen aufgrund der Naruto-Spiele bekannt sein. Und viel mehr ist Asura’s Wrath in spielerischer Hinsicht auch nicht. Wenn ich nicht gerade in wahnwitzigen Zwischensequenzen, die locker in der oberen Liga mit Devil May Cry 3, Lost Planet 2 und dem eingangs erwähnten Meister dieser Disziplin, Ninja Blade, spielen, über Quick-Time-Events interagiere, schieße ich in Rail-Shooter Einlagen im Rez-Stil auf Flug-Objekte oder prügele in einer Arena eine Gegner-Welle nach der anderen nieder. Oder duelliere mich dort mit Bossen. Immer mit dem Ziel, meine Wut-Leiste aufzuladen. Am schnellsten geht das, wenn ich Angriffe kontere oder am Boden liegende Gegner mit einer Finisher vermöbele. Bin ich außer mir vor Wut, reicht ein Tastendruck und mein Gegenüber wird in einer cineastischen Sondervorstellung vom Erdboden gefegt. Oder vom Himmel. Nicht aber ohne weitere Quick-Time-Events. Ich habe mich anfangs noch ein, zwei mal beim Zurücklehnen während Kampf-Zwischensequenz erwischt, nur um dann wieder hastig zum Controller zu greifen, weil ein weiterer Reaktionstest anstand. Am Ende hielt ich das Pad sogar noch während der Credits fest in der Hand. Man weiß ja nie.

Auch wenn Setting, Geschichte und Präsentation sehr gut sind, über 18 Episoden wird der Bogen, gerade zum Ende hin und auch aufgrund der teilweise nicht existenten spielerischen Herausforderung, arg überspannt. Die letzte Episode, deren Ende es in zwei Versionen gibt, je nachdem, wie gut ihr in der Gesamtwertung der einzelnen Episoden abgeschnitten habt, wirkte auf mich nur noch strapazierend. Am Ende war ich froh, dass es vorbei war. Obwohl ich zwischendurch meinen Spaß hatte. Das hab ich doch irgendwo genauso schon einmal erlebt. Ach ja. Bei Ninja Blade.