Assassin's Creed Unimimimimi

Am 20. November 2014 in spiel

Ich habe Assassin’s Creed mal geliebt. Damals, als ein Drittel der Spieler es richtig gut fanden, es einem anderen Drittel viel zu repetitiv war und das letzte Drittel bis dato nicht einmal wusste, dass es das Wort Repetitiv im Deutschen überhaupt gibt. Ich kam damals über Tenchu, Shinobido und Kamiwaza zu Assassin’s Creed. Sozusagen über Japan in die Wiege der Menschheit und ich war im Paradies. Dass sich die Figur des Altaïr damals eher schwammig steuern ließ war egal. Das war bei den anderen Schleichspielen zu der Zeit ja auch nicht anders.

Dann kam Assassin’s Creed 2. Das war nicht mehr ganz so meins, weil Ubisoft damals bereits unbedingt ein abwechslungsreicheres Epos schaffen wollte. Keine Spur mehr von den klar in drei Teilen strukturierten Missionen des ersten Teils (Auskundschaften, Zuschlagen, Abhauen). Die mochte ich, aber ich zähle nicht, wenn es darum geht, was die Masse möchte. Bitte schön. Ich habe es trotzdem wieder auf der Xbox 360 mit voller Punktzahl durchgespielt. Es war immer noch gut. Danach fing das an, was heute in der zugegeben etwas miesen Überschrift „Assassin’s Creed Unity mein Arsch“ enden sollte.

Technisch schien Ubisofts Assassinen-Reihe nämlich einfach auf der Stelle zu laufen. Während erst die Stadt, später die Welt um den Meuchler immer größer wurde, konnte der immer noch nicht im Eilschritt eine Tür durchschreiten, ohne in zwei von drei Fällen ungewollt links oder rechts an dieser hochzuklettern.

Immer noch fand ich mich mitten in Kämpfen wie Batman auf einer Kiste Orangen hockend wieder, obwohl ich eigentlich weglaufen sollte und wollte.

Ubisofts stromlinienförmige „Viel Aktion mit wenig Knöpfen“-Schema sorgte bei mir nicht nur für viele Lacher sondern auch für viel Frust.

Irgendwann war Assassin’s Creed dann nur noch „Folge diesem und jenem“. „Folge dem Mädchen, folge diesem Mann, folge jener Kutsche, folge dem Dieb!“ „Achtung, das Ziel ist im Begriff zu fliehen!“ „Achtung, Sie hocken schon wieder auf einer Kiste Orangen!“ „Achtung, der Spieler entfernt sich von der Konsole.“ Ja, habe ich gemacht.

Dann kam Unity. Im Vorfeld schon mit negativen Schlagzeilen behaftet, weil es keine weiblichen Assassinen für den Online-Modus gab. Das wundert mich jetzt überhaupt nicht, denn auch sonst hat sich immer noch nicht viel geändert. Klar, die Stadt ist wieder ein Stück gewachsen und klettern kann man jetzt meistens wie Spider-Man (der Palast der Justiz kann ich weniger als drei Minuten erklommen werden, ein mit einem Tuch abgedeckter drei Meter hoher Haufen Möbel ist dafür unüberwindbar), aber der wichtige Rest ist kein Stück erwachsener geworden. Schade. Und im Schatten der Diskussion seitens Ubisoft, dass der Bildraten-Standard für Spiele in einer offenen Welt 30 Bilder pro Sekunde und nicht 60 sind, kämpft Assassin’s Creed Unity (zumindest auf meiner PS4) bei viel Action damit, überhaupt 15 Bilder pro Sekunde durchzuhalten. Ein Drama.

Von den zahlreichen kleinen Bugs, die überall im Spiel für Lachen und/oder Weinen sorgen, fange ich gar nicht erst an. Die verwundern mich aber auch nicht, musste doch unbedingt noch Assassin’s Creed Rogue für die Xbox 360 und die Playstation 3 zeitgleich erscheinen.

Lieber zwei Halbe als ein Ganzes!

Wie in Hannover Vahrenwald, morgens um Acht vorm Kiosk. Hurra! So einen Doppel-Release auf Kosten der Qualität hat bis jetzt noch nicht einmal Electronic Arts gewagt. Saubere Leistung.

Das ich für diesen Scheiß siebzig Euro ausgegeben habe, ist natürlich der wahre Grund, warum ich hier gerade Flammen auf meine Tastatur spucke und natürlich auch meine eigene Schuld. Denn eigentlich waren die letzten Teile ja auch schon nicht mehr meins. Dass ich hier für den einen oder anderen völlig übertreibe ist mir auch bewusst, aber ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so’n Hals im Bezug auf ein Spiel hatte. Und auf einen Publisher.

So, jetzt geht es mir immerhin besser. Hat doch was für sich, ein Blog zu haben.