Abzû

Am 4. August 2016 in spiel

Vom ersten Bild an, das ich von Abzû sah, war ich gespannt darauf, welche Spielerfahrung dieser Titel wohl parat halten würde. Ich hoffte auf eine fühlbare Weite des Meeres, auf eine Vielfalt an ozeanischem Leben und herrlich meditative Entspannung. Was die letzten beiden Punkte angeht, wurde ich nicht enttäuscht. Man kann nicht alles haben und das ist auch gar nicht immer nötig. Abzû ist in Sachen Spielerfahrung ein einmaliges Erlebnis, welches mich über seine relativ kurze Spielzeit regelmäßig und immer wieder auf’s Neue wunderbar erstaunt hat.

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich nicht darauf gehofft hätte, einen riesigen offenen Ozean nach Leben und Schätzen erkunden zu dürfen. Aber auch mit seinen abgesteckten Arealen und einem strukturellen Aufbau, der an Journey und Flower erinnert, kann Abzû auf ganzer Linie überzeugen. Wenn ich als androider Taucher durch Höhlen schwimme, über die Dämmerungs- in die Dunkelzone (nützliches Oktonauten-Wissen!) abtauche und dabei neue, wunderschön modellierte Meeresbewohner entdecke, dann ist das absolut einmalig und ein Stück weit auch ein unerfüllter Traum.

Nach spätestens drei Stunden habt ihr Abzû locker durch. Dessen solltet ihr euch bewusst sein. Danach könnt ihr einzelne Kapitel oder das ganze Spiel erneut starten, um die ein oder andere verpasste, optionale Kleinigkeit zu erledigen oder einfach, um das großartige Spiel noch einmal zu erleben. Außerdem können Aussichtspunkte entdeckt werden, die zum Zeitpunkt der Aktivierung oder auch später, direkt aus dem Hauptmenü heraus, den Meditations-Modus einschalten. Zur wunderschönen Musik von Journeys Austin Wintory dürft ihr dann beliebig lang Fische und Meeressäuger beobachten.

Dieser Modus wäre ein absoluter Kaufgrund, wäre da nicht meine Playstation 4, die in Sachen Geräuschentwicklung mittlerweile in einer Liga mit meiner alten Xbox 360 spielt. Eine Turbine ist nichts dagegen. Aber dafür kann Abzû ja nichts. Für die zwei dicken schwarzen Rechtecke, die im Meditations-Modus im oberen und unteren Viertel über dem Bild liegen und eigentlich völlig überflüssig sind, leider schon. Das ist, als hätte man das schönste Aquarium der Welt im Wohnzimmer stehen und würde dann mit Panzerband zwei dicke Streifen auf die Frontscheibe kleben. Da gehört eigentlich eine Menge Alkohol oder sonst irgendeine Droge zu, die man nicht so gut verträgt. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass das noch gepatcht wird.

Es gibt viel zu wenig Spiele dieser Art, weshalb Abzû nicht nur ein sehr guter, sondern auch ein sehr wichtiger Titel ist. Und umso trauriger bin ich, dass der hochgradig künstlerische Aspekt des Spiels, verständlicherweise, keine alternativen Kostüme für den Tauch-Roboter zulässt. Ein Frevel, natürlich, aber denkt doch mal darüber nach, wie cool das wäre, als Meerjungfrau, Abe Sapien oder Mark Harris durch diese wunderbare Welt schwimmen zu können. Hach wäre das. Einfach nur Hach!