A Series of Unfortunate Events

Am 16. Januar 2017 in serie

Als ich irgendwann im Jahr 2004 den Film zur Buchreihe „A Series of Unfortunate Events“ mit Jim Carrey sah und danach enttäuscht über einer Tüte Popcorn im Kino saß, wünschte ich mir nichts sehnlicher als dass Jean-Pierre Jeunet (Stadt der Verlorenen Kinder, Fabelhafte Welt der Amélie) ihn hätte machen sollen. Hat er aber nicht und mir war klar, dass dieser Zug nicht nur abgefahren sondern bereits am Horizont verschwunden war. Wahrscheinlich bauten auch schon die ersten Menschen kopfschüttelnd den Bahnhof ab. Es ist 2017, das Jahr ist noch keinen Monat alt und Netflix liefert mit ihrer Version von „A Series of Unfortunate Events“ im Serien-Format trotzdem schon wieder fleißig neues Original-Material ab. Und Jean-Pierre Jeunet hätte es nicht besser machen können!

Skeptisch war ich, aufgrund der Erfahrung mit der alten Verfilmung. Keine Frage: Jim Carrey als widerwärtiger Graf Olaf war super, aber die Hauptattraktion der Bücher war nie der Graf, sondern die eher unkonventionelle Art der Erzählung, gepaart mit burtonesquem Setting und Figuren und den unglücklichen Umständen, die einen Balance-Akt erzwingen, der es nicht einfach macht, zu erkennen, ob die Werke nun für Kinder oder Erwachsene geschrieben wurden. Der Netflix-Serie, die Daniel Handler, den Autor der Bücher als Ausführenden Produzenten listet, gelingt es ganz fabelhaft, das alles auf den heimischen TV-Bildschirm zu übertragen. Fast schon erschreckend gut.

Einzelne Szenen wirken dank überzeichneter Bilder wie eine Pop-Up-Variante der Buchvorlage und bilden die Basis für illustre Figuren und talentierte Künstler, deren Schauspiel passend dazu wie am Theater wirkt. Und was 2004 Jim Carreys typisches Overacting war, ist Neil Patrick Harris’ fast schon gelangweilt wirkende Souveränität, mit der er den genervten Antagonisten in der aktuellen Produktion darstellt: überragend gut. Am Ende kann ich immer noch nicht richtig sagen, ob das nun eher was für Kinder oder eher was für Erwachsene ist und komme zu dem Entschluss, dass es eher was für beide und am besten zusammen ist. Die eine Leiche war allerdings deutlich eher was für Erwachsene, meint meine Tochter. Oha!