47 Ronin

Am 3. April 2014 in film

Keanu Reeves zeigt wieder Präsenz. Zur Freude der beleidigten Menge aber nicht als Neo. Die hat trotzdem nichts zu feiern, denn auch 47 Ronin fiel beim Kinovolk gnadenlos durch. Die eigensinnige Interpretation des berühmten Ereignisses um 47 Gefolgsleute, die ihren unrechtmäßig zum Selbstmord verurteilten Herrn rächen wollen, lässt sich so gar nicht in gängige Schubladen einordnen.

47 Ronin orientiert sich am Mainstream-Kino des New Japanese Cinema, und eines muss ich dem Film vorweg zugestehen: Das macht er ganz gut. Völlig ab davon, ob man mit diesem Kino nun etwas anfangen kann oder nicht. Entgegen meiner Vermutung wird das Schlüsselereignis nicht in der ersten Viertelstunde abgehandelt. Der Film lässt sich Zeit, Reeves Rolle als Nicht-Japaner in einer intoleranten Gesellschaft auszumalen. 47 Ronin ist kein Remake des Filmklassikers von Hiroshi Inagaki aus dem Jahre 1962. Er versetzt die Handlung in ein fiktives Japan und greift bei der Wahl seiner Fabelwesen nicht wie üblich auf den großzügigen Katalog zahlloser Shikigami und Yôkai der japanischen Mythologie zurück, sondern setzt auf eigene Kreationen. Meistens. Ob ein Voldemort-gleicher Tengu nun Respektlosigkeit oder eher Ahnungslosigkeit ist, wage ich hier nicht zu entscheiden und stempele es schlicht als eigenwillig ab.

Den größten Fehler, den 47 Ronin macht, ist der, dass er alle seine japanischen Schauspieler in Englisch sprechen lässt. So wirkt nicht etwa Keanu Reeves als Halbblut mitten in Japan deplatziert, sondern alle japanischen Schauspieler, die gebrochen ausgerechnet die Sprache derer sprechen, die ihre Figuren im Film so verachteten. Das fällt für jemanden, der Filme eh nur in Deutsch synchronisiert anschaut kaum ins Gewicht, für die kleine, unbeugsame Minderheit, die dem Original-Ton frönt ist es allerdings eine Zumutung.

Wie schon der hoffentlich letzte Wolverine wird auch dieser Film hauptsächlich vom Talent Hiroyuki Sanadas getragen. Dessen Darstellung des Ôishi, Anführer der 47 Ronin, ist gewohnt makellos und macht beim Zuschauen richtig Spaß. Eigentlich hat mir der Rest des Films ebenfalls viel Spaß gemacht. Er ist natürlich, wie eingangs erwähnt, zugänglicher, wenn man mit dem Neuen Japanischen Kino und dessen massentauglicher Sparte eh schon umgehen kann. Er wäre sogar ganz großartig, wenn alle hätten japanisch sprechen dürfen. Der miese Trailer, der einfach den gesamten Film im Zeitraffer zeigt, die schlechte PR, die den tätowierten Holländer mit einer Minute Bildschirmzeit zum Mysterium auf den Filmplakaten erhebt. Nur zwei Dinge, die nicht unbedingt auf eine reibungslose Produktion hinweisen. Ich hoffe trotzdem, dass es nicht das letzte Werk des Teams um Debütant Carl Rinsch ist.