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Der Westernfilm ist ja gefühlt so alt, wie der besiedelte Westen an sich und doch überrascht er mich immer wieder mit richtigen Perlen. Auch, weil seine Erscheinungszyklen so angenehm unaufdringlich sind. Am liebsten sind mir dann noch die Indiewestern. Slow West mit Michael Fassbender, Ben Mendelsohn und Kodi Smit-McPhee ist so einer.

Dessen Stärke ist das Skript, das erfrischend nach vorne geht, während es eine Coming of Age Geschichte mit der verstaubten Legende des einsamen Reiters zu einem (Off-)Road Movie verknüpft. Dabei herrscht eine echt beschissene Stimmung, denn Slow West zeigt keine glorreichen Reiter in weiter Prärie, sondern oft gewissenlose Menschen in einem Amerika, das am schwierigen Anfang eines langwierigen Weges in die Industrialisierung steht und gerade damit beschäftigt ist, die Ureinwohner zu verjagen, um Platz für die europäischen Einwanderer zu schaffen. Seine Figuren sind in ihren Rollen entweder schon vom Aussterben bedroht oder noch gar nicht in diese hineingewachsen. Daraus ergibt sich ein tragisch komisches Abenteuer mit ganz viel Unglück und gelegentlich etwas Galgenhumor zum dran festhalten.

Überraschend negativ fiel mir dabei der anhaltende Trend auf, digitale Filme nicht mehr im klassischen Kinoformat, sondern im schlanken Heimkino Widescreen zu drehen. Bei einem Western gehören diese extremen Weiten für mich wohl immer noch dazu. Das ist angesichts der Qualität dieses Films aber Gejammer auf hohem Niveau und schließlich kommt ja Weihnachten schon das Kontrastprogramm, wenn Tarantinos Hateful Eight im 70 Millimeter Superweitbildformat in den Kinosälen anläuft.