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Der Leichnam des Terroristenführers und Drahtziehers der Anschläge am 11. September 2001 war noch nichtmal richtig kalt, da liefen die Smartphones in Hollywood bestimmt schon heiß. Lange hat es dann auch wirklich nicht gedauert, bis die ersten beiden Verfilmungen um die Liquidierung Osama bin Ladens in den Kinos anliefen. Eine davon ist Zero Dark Thirty.

Ehrlich gesagt war ich mir von Anfang an sicher, dass ich jede Verfilmung dieses sensiblen Stoffes schlicht ignorieren würde, da ich viel zu viel Angst vor der Ausführung hatte. Bis, ja bis ich realisierte, dass Kathryn Bigelow einen dieser Filme drehte. Verdammt. Da hab ich meine Prinzipien. Von mir geschätzte Regisseure bekommen von mir immer eine Chance (Ja, Herr Jones, auch Sie, obwohl es total bescheuert ist, dass ausgerechnet Sie den Warcraft Film machen).

Also habe ich mir am heutigen Abend Zero Dark Thirty im Kino angeschaut. Und ich wurde auf ganzer Linie überrascht. Im Gegensatz zu Bigelows The Hurt Locker zeigt dieser Film ein recht einseitiges Bild der arabischen Welt und Pakistan. In Zero Dark Thirty gibt es nur Terroristen und Counter-Terroristen. Dazwischen stehen seelenlose Statisten, wie Pappkameraden. Das macht aber deswegen Sinn, weil der Film eigentlich eine Zeitleiste des Terrors ist.

Ohne dramaturgische Überzeichnung werden die Etappen dieses Terrors zwischen den Jahren 2001 und 2010 aufgezeigt und lediglich von den schleppenden und von Bürokratie gebremsten Mühen um Aufklärung seitens einer kleinen Schreibtisch-Einheit um eine umwerfenden Jessica Chastain unterbrochen.

Im Gegensatz zu The Hurt Locker erschienen mir die Handlungen der Protagonisten hier aber auch durchweg nachvollziehbar. Ein Punkt, der Bigelows Film aus dem Jahre 2008 zum Ende hin ja förmlich die Beine unter dem gut gepanzerten Arsch wegzog.

Ein triefendes, trompetenuntermaltes Pathos habe ich bei Zero Dark Thirty mit dem Wissen um das Filmteam nie befürchtet und wurde diesbezüglich auch nicht enttäuscht. Selbst für eine amerikanische Flagge müssen die Personen im Film schon auf mindestens 50 Meter ans Oval Office herankommen. Der Einsatz um die Ermordung des Terroristenführers selbst wird letztendlich erstaunlich schonungslos und mit aller Härte dargestellt. Zurückhaltend sind dabei nur Bild und Ton, was eine äußerst beklemmende Atmosphäre und gnadenlose Spannung erzeugt. Ein makaberes Kunstwerk.