Glass

Am 18. Januar 2019 unter film

M. Night Shyamalans Karriere in Hollywood als holperig zu bezeichnen wäre wohl etwas untertrieben. Ein Tal zwischen zwei Bergen trifft es da schon besser, stellt man sich die Reaktionen auf sein Gesamtwerk einmal als Lorenz-Kurve vor. Nichtsdestotrotz haben Filme wie The Sixth Sense, Signs und allen voran Unbreakable bei mir für immer einen sicheren Platz im Herzen. Letzterer ist immer noch mein Lieblings Superheldenfilm ohne Comicvorlage. Umso erfreuter war ich, als sich Split überraschend als Nachfolger outete, nachdem sich Shyamalans Ruf zuvor mit The Visit gerade wieder erholt hatte. Dass er es jetzt trotz des Auf und Abs in seiner Karriere nach 19 Jahren geschafft hat, mit Glass nicht nur einen Abschluss der Trilogie vorzulegen, sondern auch noch einen, dessen Rechte an den beiden Vorgängern bei zwei verschiedenen Produktionsfirmen liegen, weshalb sich Universal und Disney nun die Rechte an Glass teilen, ist nicht etwa trivial, sondern durchaus ein kleines Lizenz-Wunder von Hollywood.

Noch viel schöner ist es natürlich, dass mich Glass durchweg sehr gut unterhielt und die Reihe für mich schlüssig, befriedigend und natürlich nicht ohne mindestens zwei Shyamalan Trademark Twists beendet hat. Das übernatürliche Talent James McAvoys bei der erneuten Darstellung der 20 Persönlichkeiten aus Split steht hier neben Bruce Willis und Samuel L. Jacksons routiniertem Schauspiel deutlich im Vordergrund. Aber auch die teilweise nach 19 Jahren wiederkehrenden Nebendarsteller, die omnipräsenten Schemata aus der Welt der Comics und ein ausgereiztes Spiel mit Farben trägt zum runden Gesamtbild des Films bei.

Die zwei Stunden und zehn Minuten Filmlänge wirkte auf mich zwar nicht ermüdend, hätte aber zu Gunsten des Pacings gerne um 20 Minuten gekürzt werden dürfen. Einen Directors Cut des angeblich dreieinhalb Stunden langen Original-Schnitts würde ich mir aus reinem Interesse heraus allerdings trotzdem gerne anschauen. So richtig genug habe ich von der Welt nämlich noch nicht. Und das, obwohl wir seit Jahren mit Superheldenfilmen nur so beschmissen werden. Aber wer weiß. Vielleicht kommt ja in fünfzehn Jahren noch ein vierter Teil. Ob M. Night Shyamalans Lorenz-Kurve dann einen weiteren Berg oder einen weiteren Graben aufweist bleibt abzuwarten.


Distant Worlds Wegpunkt 2: Omega Nebel

Am 17. Januar 2019 unter elite spiel

Der Omega Nebel

Distant Worlds 2 heißt eine von Spielern ins Leben gerufene Expedition im Spiel Elite Dangerous. Drölftausend Piloten haben sich für den Spaß angemeldet und wollen über die nächsten Wochen und Monate zum Zentrum der Milchstraße und danach ans andere Ende der Galaxis fliegen. Ich fliege auch mit und habe bereits am Dienstag den ersten Wegpunkt erreicht: Der Omega Nebel, 5500 Lichtjahre entfernt von unserem Sonnensystem. Schön ist es hier. Ich werde versuchen regelmäßig Bilder, die ich auf der Expedition geschossen habe hier im Blog hochzuladen. Und ich bin gespannt, wie weit ich überhaupt komme. Aufbruch zum bis dato noch unbekannten Wegpunkt Nummer Drei ist der 27. Januar. Bleibt dran, wenn ihr Lust habt.


mid90s

Am 16. Januar 2019 unter film

Ich bemitleide ja jeden Menschen, der in den Neunzigern nicht im optimalen Partyalter war. Nachdem allgemeine Idiotie im nahen Osten im Golfkrieg gipfelte und eine neue Welle ungeahnt brutalen Terrorismus lostreten sollte, saßen wir in Kellern, spielten Street Fighter, Mortal Kombat oder Neo-Geo zum Soundtrack der goldenen Hip-Hop Ära. Wir machten Beats, rappten auf den letzten Jams, fuhren an öffentlichen Plätzen mit dem Skateboard oder bemalten Wände mit Sprühfarbe. Im Idealfall alles zusammen. All das gibt es heute noch, stand damals aber in voller Blüte, wurde noch nicht von Hipstern verunstaltet und führte auch noch nicht dazu, dass man von engstirnigen Älteren mit Modewörtern wie etwa Millennial beschimpft wurde.

Mid90s ist eine Ode auf diese Zeit und gleichzeitig eine Momentaufnahme, die zeigt, wie eine Clique und eine ordentliche Portion Auf-alles-scheißen die Probleme mit dem Leben an anderen Stellen erträglicher machen kann. Zentrale Rolle des Films ist Stevie, ein Dreizehnjähriger, der sich mit dem Erwachsenwerden und den sich daraus ergebenden Problemen mit dem familiären Umwelt konfrontiert sieht. Er freundet sich im Skateladen mit anderen Jugendlichen an und zieht fortan mit ihnen für Parties und vor allem zum Skaten um die Häuser.

Die Authentizität dieses Meisterwerks macht dabei aber nicht bloß die 16mm Ästhetik oder das 4:3 Bildformat aus, sondern vielmehr die gut geschriebenen und zum Großteil von Laienschauspielern überzeugend dargestellten Figuren. Das hat ja schon beim spirituellen Vorgänger Kids von Larry Clark und Harmony Korine in den Neunzigern sehr gut funktioniert. Beim Gedanken an Kids wird mir aber auch wieder bewusst, wie erschreckend lange es doch gedauert hat, dass es endlich mal wieder einen authentischen Film des subjektiv betrachtet besten Jahrzehnts der Geschichte gibt.

Mid90s soll irgendwann im März diesen Jahres hierzulande in die Kinos kommen, kann aber bereits jetzt im US iTunes Store mit passendem Konto gekauft oder geliehen werden. Und ich bin mal eben auf dem Dachboden und gucke ob ich die alten Hookups und World Industries Shirts noch irgendwo finde.


Signal gegen Windmühlen

Am 15. Januar 2019 unter ansage

Ich habe es nicht so mit guten Vorsätzen für das neue Jahr, aber vielleicht sucht die eine oder andere ja noch eine kleine Aufgabe und das nehme ich hier gerne zum Anlass, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass Facebook Scheiße ist und alles, was dort angebunden ist, ebenfalls. Damit meine ich natürlich allen voran den WhatsApp Messenger. Es ist allerdings, wie ein Freund letztens passender Weise formulierte, ein Kampf gegen Windmühlen. Ich will hier auch gar nicht missionieren, ich möchte aber gerne einen kleinen Gedankenansatz niederschreiben. Facebook will Geld verdienen. Früher oder später auch mit WhatsApp. Telegram muss Geld verdienen. Threema ebenfalls. Bei allen Unternehmen sitzt jemand an der Spitze, der irgendwann sagen wird, wir müssen jetzt Geld verdienen. Und da in unserer Gesellschaft niemand einen nicht kostenlosen Messenger erfolgreich machen kann, geschieht das über Werbung oder über unser analysiertes Verhaltensmuster in Chat-Verläufen. Das interessiert die Mehrheit da draußen leider nicht die Bohne, ist aber natürlich ein weiterer Schritt in Richtung des Users als Teil einer Marketingmaschine, und was uns jetzt noch nicht stört, bedroht natürlich in Zukunft trotzdem unsere Freiheit als Individuum.

Edward Snowden hat seine Freiheit aufgegeben und sitzt für uns im Exil. Klingt dramatisch, ist aber vor allem tragisch. Und wenn ihr Snowden zum Dank auch nur einen kleinen Gefallen tun wollt, dann gebt dem von ihm empfohlenen Messenger Signal eine Chance. Gerne auch eine zweite, wenn ihr in der Vergangenheit mit Signal nicht zufrieden wart. Es hat sich nämliche einiges getan und die App ist mittlerweile nicht nur sehr schön und übersichtlich, sie hat auch alle wichtigen Features, wie Sprachanrufe, Gruppenchats, GIF Support und, und, und. Signal wird als Open Source Projekt (der Programmcode kann eingesehen werden) der Not-for-Profit Organisation Open Whisper Systems entwickelt, ist aufgrund deren Datensparsamkeit bewiesenermaßen sehr sicher und wird durch Spenden finanziert, wodurch kein Konzern dahinter irgendwann entscheiden kann, dass jetzt Geld mit unseren Chats verdient werden muss, oder dass ihr Produkt gar an Facebook verkauft wird. Mit anderen Worten: Es ist der einzige nachweislich sichere und transparente relevante Messenger da draußen.

Wenn ihr stattdessen zu Telegram geht, weil ihr dort bereits wegen Pokémon Go hineingeschnüffelt habt, da es mit den wirklich fantastischen Bot-Funktionen gut für Gruppen und deren Organisation geeignet ist, oder wenn ihr euch stattdessen für Threema entscheidet, weil dort eventuell schon die eine oder andere Bekannte von euch gelandet ist, ist das also nicht das Optimum, aber trotzdem schon eine Verbesserung gegenüber der Nutzung von WhatsApp. Wenn ihr aber wirklich auf der sicheren Seite sein wollt, weil ihr für Freiheit steht, obwohl ihr augenscheinlich nichts zu verbergen habt und euch wirklich sicher sein wollt, dass niemand euer Verhalten in Chats analysiert, und euch an anderer Stelle im Netz auf diese Weise unterbewusst mit algorithmisch generierter Werbung und Suchergebnissen manipuliert, dann installiert euch einfach Signal.

Und es ist wirklich kinderleicht. Der Beweis ist meine Tochter, die vor einigen Wochen aus der Schule nach Hause kam und zu uns meinte, dass wir WhatsApp deinstallieren müssten und doch bitte auf Signal umsteigen sollten, weil sie das nachvollziehbar in der Schule in Werte und Normen vermittelt bekommen hat. Und die ist zehn und gehört zu einer Generation, deren Welt in großer Gefahr ist, aus transparenten Nutzern und nicht aus transparenten Apps zu bestehen. Wenn ihr es also nicht für Edward Snowden tun wollt, weil euch eure Privatsphäre egal ist, solltet ihr euch trotzdem überlegen, ob ihr es nicht vielleicht der Kinder und damit einer besseren Zukunft wegen macht. Danke.


Kingdom: Two Crowns

Am 4. Januar 2019 unter spiel

Der dritte Teil der Kingdom Serie hat es nicht in meine Jahresbestenliste 2018 geschafft, weil wir ihn erst zwischen den Tagen erworben haben und das ist ein echter Fauxpas. Ich wollte ihn korrigieren, aber seit wir Two Crowns das erste Mal gestartet haben, sitzen wir ungeduscht, dehydriert und unterernährt auf unseren Shitbuckets im eigenen Sud und schämen uns nicht eine Sekunde für diesen asozialen Umstand.

Muss ich noch weiterschreiben? Na gut. Ihr seid Königin oder König hoch zu Roß auf einer zweidimensionalen Insel, die jede Nacht von links und rechts angegriffen wird. Der Tag sollte also dazu genutzt werden, Dorfbewohner zu rekrutieren, diese dann mit Waffen auszurüsten oder sie Barrikaden bauen zu lassen. Je weiter ihr die Festung ausbaut, desto mehr Möglichkeiten stehen zur Verteidigung und zum Geld verdienen bereit. Restauriert ihr ein Schiff, könnt ihr neue, schwerere Inseln erreichen, sowie bessere Fähigkeiten und neue Technologien freischalten.

Das Ganze ist aufgrund der wortkargen Natur oder wenn ihr mal nicht aufpasst spätestens auf der dritten Insel sauschwer und ich habe bereits mehrmals daran gedacht, neu anzufangen, weil ich das Ende nahen sah oder meine Kassen demotivierend leer waren. Aber irgendwie geht es immer wieder weiter und das erhabene Gefühl, die Horden wieder eine weitere Nacht abgewehrt und überlebt zu haben ist super. Solltet ihr doch mal überrannt werden, wird euch die Krone gestohlen und das Land versinkt in eine hunderttägige Armut bevor ihr euch mit neuen Regenten erneut ans Werk machen dürft.

Einen Zweispieler Koop-Modus gibt es übrigens auch und als wäre all das nicht schon Ansporn genug, das Spiel zu spielen, könnt ihr euch im Hauptmenü auch noch dafür entscheiden, dass Geschehen vom europäischen Mittelalter ins feudale Japan zu verlegen. Das Spiel ist das Selbe, aber die ohnehin schon liebevoll gepixelte Grafik macht mit Samurai und Ninja eben noch einen Ticken mehr Spaß. Kaufbefehl, wenn ihr auf Mikromanagement und 2D-Grafik steht und obendrein ein dickes Rogue-Lite Fell habt.