Was ist das Galactic Hub?

Am 14. Juni 2018 unter spiel nomanssky waswiewo

Galactic Hub Pride Logo

Am 24. Juli, kurz vor dem zweijährigen Jubiläum des besten Spiels der Welt bekommt dieses mit dem sogenannten NEXT Update einen ausgereifteren Mehrspielermodus, und viel wichtiger, auch eine Xbox One Version. Aber, und hier wäre jetzt der geeignete Platz für ein Reaktions-Gif mit misstrauischer Aussage, ebenfalls auch PVP: Player versus Player. Misstrauisch, weil das eigentlich so gar nicht in das hypnotisierende und lethargieschwangere Bild des Spiels passt. Aber ich bin zuversichtlich, dass Hellogames, deren Updates zu No Man’s Sky bisher durchweg großartige Neuerungen mit sich gebracht haben, es auch dieses Mal schaffen und mich nicht enttäuschen werden. So oder so: Das Spiel bleibt höchstwahrscheinlich eine der größten Spielwiesen unter der Sonne und das birgt zwei große Fragen: „Wie finde ich da überhaupt Spieler, gegen die ich kämpfen kann?“ und „Was, wenn ich gar nicht kämpfen will, aber mit anderen zusammen die Galaxie entdecken will?“. Ich weiß natürlich nicht, was NEXT hier noch anders macht, aber eines kann ich zu beiden Antworten jetzt schon ganz klar sagen: Fliegt zum Galactic Hub!

Was ist denn das Galactic Hub?

Gut, dass ihr fragt. Das Galactic Hub ist ein Zusammenschluss mittlerweile mehrerer hundert Spieler, die es sich zum Ziel gemacht haben, eine festgelegte Region in der ersten Galaxie von No Man’s Sky (Euclid) zu besiedeln, sie gemeinsam irgendwann einmal vollständig zu entdecken und alle wichtigen Entdeckungen für die Nachwelt festzuhalten. Der Urknall für die Entstehung des Projekts, und hier schrieb das Leben wieder einmal die schönsten Geschichten, war ausgerechnet eine Excel-Datei. Irgendein findiger Spieler hat sich im Programmcode der PC-Version von No Man’s Sky auf die Suche nach dem Geheimnis des prozeduralen Universums gemacht und ist dahinter gekommen, wie das Spiel die Sternenkarte interpretiert. So war es mit Hilfe des Skripts möglich seine Position in der jeweiligen Galaxie zu bestimmen. Da hat es nicht lange gedauert und der Pilgrim Stern wurde ins Leben gerufen. Ein Sternensystem im Alphaquadranten oder, um es einfacher auszudrücken: „oben links“ auf der Karte. Aus dem Skript hat Spieler Pahefu irgendwann die Pilgrim Star Path Web App entwickelt und fortan war es relativ einfach, bestimmte Ziele im Spiel anzusteuern.

Die Betonung liegt hierbei deutlich auf „relativ“. Im Gamma Quadranten, also „unten links“ auf der Karte der Galaxie, hat sich daraufhin das Galactic Hub Projekt entwickelt. Von allen gegründeten Zivilisationen im Spiel neben der sogenannten Amino Gruppe so ziemlich die größte Vereinigung von Spielern in diesem virtuellen Universum. Das Hub hat einen Vorstand, der gewichtige Entscheidungen trifft, es gibt Verhaltensregeln, es gibt eine reichlich gefüllte Wiki und einen Redditkanal, in dem Teilnehmer des Hubs gemeinsam diskutieren und sogar Mehrspieler-Veranstaltungen planen. Kurzum: Das Hub baut die Möglichkeiten des Spiels über dessen Grenzen hinaus aus. Erfolgreich. Stellt euch vor, ihr sucht ein bestimmtes Schiff. Raumschiffe sind bei No Man’s Sky ebenfalls prozedural generiert und somit an Sternensysteme gebunden. Im Hub gibt es viele Spieler die eventuell genau das Schiff, das ihr sucht, bereits gefunden und gegebenenfalls sogar schon in der Wiki dokumentiert haben. Gleiches gilt für ein Multitool oder eine Technologie, also ein Upgrade für eure Schiffe und Werkzeuge. Vielleicht wollt ihr aber auch endlich mal ordentlich Geld im Spiel haben, dann besucht im Hub doch einfach eine der vielen Farmen, die andere Spieler gebaut haben und erntet dort wertvolle Resourcen, die ihr an Ort und Stelle verkaufen könnt. Oder ihr möchtet einfach mal mit Leuten reden, während ihr zusammen einen Planeten erkundet. Das ist jetzt schon möglich und ebenfalls im Hub am schnellstens organisiert.

Oder und jetzt komme ich zu NEXT, ihr habt keinen Bock, dass euch jemand hinterrücks angreift und eure Sachen stiehlt, denn ihr seid ja gerade absichtlich nicht in Sea of Thieves sondern in No Man’s Sky. Auch dann sollte das Hub erst einmal eine sichere Anlaufstelle sein, denn dort befindet sich bereits jetzt eine Polizeistaffel in Gründung. Und falls ihr doch schon richtig Lust habt, euch mit einer Horde gleichgesinnter auf schwächere Zivilisationen zu stürzen (schließlich seid ihr ja Menschen), dürfte das Hub ebenfalls genau das Richtige für euch sein. Den auch jetzt schon gibt es Kriege, die hauptsächlich rund um das Hub stattfinden und derzeit noch über Entdeckungen geregelt werden. Das wird mit der Option von PVP sicherlich noch weiter ausgebaut.

Interessant, wo liegt denn das Hub?

Wie bereits gesagt befindet sich das Hub in der linken, unteren Hälfte der ersten Galaxie, der Euclid. Es gibt auch bereits Hubs in anderen Galaxien, aber hier soll es nur über das Euclid Ur-Hub gehen, welches auch am höchsten besiedelt ist. Dort gibt es eine Region namens Shungka Void. Diese und die umliegenden zehn Regionen bilden zusammen das Galactic Hub. Angrenzende Region werden Huburbs genannt und zählen mehr oder weniger dazu. Die Position des Hub ist nicht endgültig, denn bei großen Updates in No Man’s Sky wird das Universum mitunter neu generiert. Dies ist bereits einmal passiert und hatte eine riesige Völkerwanderung des gesamten Hubs zur Folge. Das alte, sogenannte Legacy Hub befindet sich ein paar tausend Lichtjahre weiter weg vom aktuellen Standpunkt und erfreut sich großer Beliebtheit bei virtuellen Archäologen, da es sich im Gegensatz zu vielen anderen Spielen bei den Schauplätzen in No Man’s Sky tatsächlich um von Spielern gebaute und verlassene Gebäude handelt. Die genaue Adresse des Hubs im nativen Format lautet XXXX:0082:0D55:001D, der erste Wert ist für die Navigation irrelevant, der Zweite gibt beispielsweise die Höhe an. Die beiden letzten sind X und Y Achse auf einer von oben gesehenen dreidimensionalen Karte. Klingt erstmal kompliziert, ist aber egal.

Äh, okay. Aber wie komme ich jetzt zum Hub?

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden: Entweder ihr navigiert dorthin oder ihr transportiert euch über ein Portal ins Hub. Ersteres ist deutlich komplizierter aber auch eine Reise bei der der Weg das Ziel sein kann. Letzteres erfordert mindestens 14 von 16 Portal-Glyphen, die ihr im Spiel gefunden haben müsst.

Wie komme ich über ein Portal dorthin?

Adressen können über Glyphen an Portalen eingegeben werden. Ihr benötigt 14 von 16 Glyphen für die Adresse des Portsystems im Hub. Die Glyphen findet ihr an Gräbern, deren Position ihr von sogenannten Reisenden für 200 Nanites kaufen könnt. Reisende findet ihr in Gebäuden oder Raumstationen. Habt ihr die 14 Glyphen bereits entdeckt müsst ihr lediglich auf einem Planeten ein Portal ausfindig machen. Nutzt dazu den Signal-Scanner und ermittelt die Position eines Monolithen. An diesem Monolithen müsst ihr dann ein der Rasse entsprechendes Relikt opfern und bekommt dafür die Position eines Portals angezeigt. Dort angekommen gebt ihr folgende Adresse ein und schreitet hindurch:

Galactic Hub Portal Adresse

Ihr befindet euch jetzt in HUB1-!$-1D TopOfTheTree2, dem Port System des Galaktischen Hubs. Da euer Raumschiff in No Man’s Sky nicht mit durch das Portal kommt, dürft ihr hier mit Hilfe des Signal-Scanners nach Belieben eine der umliegenden Grundbasen scannen und diese übernehmen.

Achtung #1: Dies ist nach der Etikette des Hubs nur in diesem Port System gestattet! In jedem anderen System gilt die Regel: Eine Basis pro System!“

Achtung #2: Wenn ihr eine neue Basis übernehmt, löscht ihr automatisch eure alte Basis!

Habt ihr eine Basis übernommen, könnt ihr wieder zurück durchs Portal gehen, steigt in euer Raumschiff, fliegt zur nächsten Raumstation und beamt euch von dort zurück zu euerer neuen temporären Basis und von da an seid ihr offiziell und mit Raumschiff im Hub angekommen. Jetzt gilt es ein noch unentdecktes System zu finden und euch dort mit einer eigenen Basis niederzulassen. Das war die einfache und ehrlich gesagt zu empfehlende Methode.

Wie navigiere ich denn zum Hub?

Das ist deutlich komplizierter und eigentlich auch nicht mehr nötig. Wenn ihr euch aber etwas beweisen wollt oder generell gerne lange in Spielen unterwegs seid, nur zu. Wir hatten ja damals nichts und mussten auf diese Weise in No Man’s Sky zum Hub kommen. Diese elitäre Erfahrung ist jetzt optional.

Auf geht es. Zuerst müsst ihr einen Signal-Scanner bauen. Aktiviert ihr den Scanner, gibt dieser eure galaktische Position preis: XXXX:XXXX:XXXX:XXXX:XXXX. Was hier zählt sind die letzten drei durch Doppelpunkte getrennte Werte. Diese gebt ihr in der Pilgrim Star Path App im Punkt „User Position“ ein und bekommt daraufhin eure relative Position zum Hub, dem Zentrum und dem alten Pilgrim Stern angezeigt. Des weiteren zeigt die App die zu erwartende Anzahl von Sprüngen, die Höhenkorrektur und die Richtung, in die ihr euch relativ zum Zentrum (der hellste Stern im Hintergrund der Sternenkarte) ausrichten müsst, bevor ihr springt. Sind letzteres zum Beispiel 15 Grad nach Links, richtet ihr in der Sternenkarte des Spiel euren Blick auf das helle Zentrum aus und versucht dann die Kamera so genau wie möglich 15 Grad nach links zu drehen. Dann bewegt ihr euch vorwärts durch die Karte und sucht euch ein System, mit dem ihr möglichst weit in eben diese Richtung springt. Je nach Ausgangspunkt macht ihr das dann zehn bis 400 mal. Das klingt verrückt, funktioniert aber.

Wichtig ist, dass ihr regelmäßig landet und eure Position am Scanner überprüft, damit ihr seht ob die Richtung stimmt und ob ihr vielleicht über das Ziel hinausgeschossen seid. Das ist der komplizierte Teil und ich gebe zu, recht einfach erklärt, aber im Grunde ist es auch nicht mehr. Genau könnt ihr diese Methode im offiziellen Dokument auf Englisch in der Wiki nachlesen.

Was ist denn dieses Black Hole Roulette?

Ah, gute Frage. Das Black Hole Roulette ist eine kleine Hilfe, um die eigene Startposition für die Reise zu verbessern. Es ist zwar Schummeln, aber es ist weit weniger schlimm als beispielsweise die Speicherdatei zu verändern. Schwarze Löcher transportieren den Spieler auf einem Radius um das Zentrum zu einer zufälligen neuen Position. Die Distanz zum Zentrum bleibt dabei bis auf ein paar tausend Lichtjahre die Gleiche, es ist so aber möglich in den Gamma Quadranten zu kommen, wenn ihr zum Beispiel sonst aus dem Alpha-, Beta- oder Deltaquadranten starten würdet. So spart man Sprünge und Zeit. Befindet ihr euch im Zentrum der Galaxie bringt euch ein Sprung durch ein Schwarzes Loch natürlich nichts, da der Radius um das Zentrum logischerweise immer kleiner wird, je näher ihr diesem steht. Das Roulette in dieser Technik bedeutet folgendes: Fliegt ein System mit einem Schwarzen Loch an (jede Region hat eins) und landet dort in der Raumstation, um euren Spielstand zu speichern. Fliegt dann in das Schwarze Loch und landet bei der Ankunft direkt auf dem ersten Planeten um eure Position zu scannen. Diese gebt ihr dann in der Pilgrim Star Path App ein. Seid ihr nahe genug am Hub, könnt ihr eure Reise starten, wenn nicht ladet ihr den vorletzten Speicherpunkt einfach neu und springt daraufhin erneut durch das Schwarze Loch. Das macht ihr dann solange, bis euch eure Ausgangsposition für die lange Reise als geeignet erscheint.

Äh … was?!

Genau. Nutzt einfach die Methode mit dem Portal.

Wir sehen uns im Galactic Hub!


Deadpool 2

Am 31. Mai 2018 unter film oberlippenbarthouse

Den ersten Deadpool verstand ich als Kritik auf die Industrie der Superheldenfilme und deren gelegentlich sehr ausladende, generische Ausschweifung in allzu belanglose CGI-schwangere Superduelle, die in bekannte wie kompakte Geschichten zu Stangenware verarbeitet sind. Das Problem: Während sich Thor, Iron Man, die X-Men und allen voran Logan weiterentwickelt haben, litt Deadpool abseits des bitterbösen Humors und dem bis dato in Superheldenfilmen unbekannten Grad an Gewaltdarstellung an genau diesen Problemen und ist damit mittlerweile sozusagen eine Parodie auf sich selbst und die Avengers vor Thanos.

Das wurde mit Teil Zwei tatsächlich in die richte Richtung korrigiert. Denn genau wie der Humor nochmal großartiger und die Gewalt noch blutiger geworden ist, passieren jetzt auch mal Dinge, die nicht komplett vorhersehbar sind. So hatte ich bei Deadpool 2 nun endlich auch das Gefühl, einen Film aus dem X-Men Universum zu sehen, obwohl sich der Kern der Mutanten Prominenz natürlich weiterhin rar macht und Fox sich hüten wird, die Verbindung hier enger zu schnüren als eine stichelnde Bemerkung aus dem Munde Deadpools.

Das ganze gipfelt in zwei köstlichen Szenen im Abspann, die an Selbstironie kaum zu überbieten sind. So ist Deadpool 2 für mich der Überraschungshit des bisherigen Jahres und definitiv eine Empfehlung für alle, die den Humor des ersten Teils vertragen und die sich nicht an überzogenen Gewaltszenen stören.


Solo: A Star Wars Story

Am 29. Mai 2018 unter film starwars

Ein bisschen Angst hatte ich ja schon, was wohl aus einem Film wird, dessen Regie-Duo mittendrin rausgeworfen wird, und daraufhin ausgerechnet Hollywoods massentauglichste Allzweckwaffe Ron Howard das herrenlose Ruder übernimmt. Unberechtigt, wie es sich herausstellte, denn Solo hat mich ganz ausgezeichnet unterhalten. Ein richtig guter Science-Fiction Heist Film mit, für Star Wars eher ungewöhnlich, sehr dunklen Passagen (also im wahrsten Sinne des Wortes dunkel), apokalyptisch anmutenden Weltraumpiraten und wunderbar eckigem Flugzeug Design.

Die aktuell gerne angesprochene Angst vor der Entmystifizierung meiner Jugendidole kenne ich übrigens nicht, halte sie gegenüber neuen Generationen außerdem für egoistisch und kommt bei Star Wars eh mindesten sechs Filme, zehn Staffeln, unzählige Comics und noch mehr Bücher zu spät. Das kann ich tatsächlich bloß noch als lachhaft abweisen.

Alden Ehrenreich, den ich für immer wegen seiner glaubwürdigen Rolle als semi-intelligenten Wildwest-Schauspieler in „Hail, Caesar“ bewundern werde, hat Harrison Fords Mimik und Gestik offenbar sehr gut studiert und Donald Glover als Lando ist die wohl großartigste Bereicherung des neuen Star Wars Universums nach Vober Dand. Warum jetzt unbedingt jedes markante Detail von Han Solo in einen Film erklärt und abgehandelt werden musste, als gäbe es ausgerechnet bei Disney kein Morgen mehr, weiß ich nicht so recht. Auch die nachgereichte und eigentlich unnötige Verbindung zum Star Wars Kanon halte ich für mindestens so fragwürdig, wie den leicht überflüssigen Epilog, der für mich gerne zwei Minuten früher und mit einem Schmunzeln seitens Han Solos hätte enden dürfen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau und wahrscheinlich noch das Best Case Scenario bei einem Film mit dieser holprigen Produktionsgeschichte.

Vor allem das Finale, welches auch ein mutiges Statement zu einer nun schon seit Jahrzehnten andauernden Diskussion um Han Solos Verhaltensregeln ist, hat es mir angetan und lässt mich locker über die kleinen Macken hinwegsehen. Nach Rogue One ist Solo jetzt vor allem Bestätigung für mich, dass diese Formel einzelner abgeschlossener Filme genau die Art ist, die ich weiterhin sehen möchte. Also nach Boba Fett dann bitte Vober Dand: A Star Wars Story. Danke!


Die Iouscron-Posis Tour

Am 10. Mai 2018 unter spiel nomanssky

Wenn es eine Sache gibt, die ich mir für das anstehende und wirklich vielversprechend klingende NEXT Update von No Man’s Sky wünsche, dann sind es längere Trips innerhalb von Sonnensystemen. So etwas wie Hutton Orbital in Elite Dangerous. Wanderlust in Videospielen ist keine Seltenheit und auch in No Man’s Sky haben Spieler diese bereits bedient, in dem sie ganze Planeten oder Monde zu Fuß umrundet haben. Auch ich verspüre regelmäßig die Lust, in Videospielen auf eine lange Erkundungs-Tour zu gehen und da kam mir dieser Beitrag auf Reddit sehr gelegen. Dort hat jemand ein Multitool (Waffe und Werkzeug bei No Man’s Sky in einem) gefunden, welches eine maximale Anzahl von Ausbauplätzen und ganz großartige Boni in allen Anwendungsbereichen hat. So ein S-Klassen Multitool im Spiel zu finden ist eher rar und auch keine Garantie, dass der nächste Spieler es dort ebenfalls findet. Ab und an gibt es aber Fälle, da ist es fast garantiert. So wie hier.

Der einzige Nachteil: Der Portalausgang, über den dieser Planet zu erreichen ist, befindet sich eine Stunde entfernt von der Station, die das Multitool beherbergt. Wer keine aufwendige Basis sein eigen nennt, kann diese aufgeben, auf dem Planeten eine neue beziehen und so sein Raumschiff für einen schnellen Flug herzitieren. Alle anderen, so wie ich, müssen laufen oder fahren. Mich interessiert das Werkzeug gar nicht, denn es ist mir zu bullig und ich bin niemand, der unbedingt die beste Waffe besitzen muss. Vor allem nicht in No Man’s Sky, wo es derzeit noch jede andere Waffe auch tut. Außerdem bin ich Teil des Forscherduos, dass die legendäre Comforting Recoil II als S-Klasse gefunden hat. Als Mitglied des Freien Folks der Fringe kann mir keiner mit was anderem kommen. Ich mache diese Reise bloß der Reise wegen. Der Weg ist das Ziel.

Imgur Reisevorbereitungen am Portal.

Der Planet mit dem Multitool der Begierde heißt Enfrakliscghitremirtyosasashirum im System Gooodbyeee mooonmaaannn (0CD2:0070:03DC:0100) und ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich benutzergenerierte Inhalte nur zu einem gewissen Grad ertragen kann. Es ist fast Mitternacht, morgen ist Feiertag und ich habe genug Plutonium (wird als Kraftstoff für den Buggy benötigt) bei einer Gruppe libyscher Terroristen „gekauft”, dass die Reise losgehen kann. Ich schreite durch das Portal auf meinem Heimatplaneten und nach einer kurzen Ladepause befinde ich mich im Multitool-Mekka: Wie immer bei solchen Pilgerstätten in No Man’s Sky üblich, begrüßen mich beim Austreten aus dem Portal ein Haufen an Kommunikations-Stationen. Diese kleinen schwebenden Kugeln hinterlassen Nachrichten ihrer Besitzer für andere Spieler. „Die Reise lohnt sich” von Leuten die es geschafft haben oder „All die Strapazen für eine olle A-Klasse” von Leuten, die weniger Glück hatten. Zeitzeugen von Einzelschicksalen. Eine Station gibt den entscheidenden Hinweis: „Nach Norden für ein S-Klasse Multitool!”. Ich baue mir einen Spawnpunkt für meinen Buggy und düse los.

Es gibt Planeten in No Man’s Sky, die haben saftige Wiesen, tiefe Täler und hohe Berge und eine illustre Fauna, die zum Erkunden und Beobachten einladen. Enfrakliscghitremirtyosasashirum ist keiner davon. Ganz im Gegenteil. Er ist radioaktiv verseucht und lebensbedrohlich, sobald ich mein Fahrzeug verlasse. Er hat überall Löcher im Boden, durch die mein Fahrzeug in verwinkelte Höhlensysteme fällt und er hat hässliche Bäume, an denen ich zum Stoppen komme. Kurzum: Hier zu fahren und nicht zu fliegen macht keinen Spaß. Aber zum Spaß bin ich nicht hier. Moment. Bin ich doch. Egal. Jetzt muss ich da durch.

Imgur Kommunikations-Stationen mit Nachrichten anderer Spieler.

Natürlich hat Enfrakliscghitremirtyosasashirum gar keine Fauna. Kein einziges Tier, nichtmal eine dieser hässlichen fliegenden Kühe gibt es auf der Fahrt zu sehen. Lediglich die purpurroten Wolken am Nachthimmel sind es wert angeschaut zu werden. Würde es auf diesem Planeten zufällig auch noch die bei Spielern so beliebten Diplodocus-ähnlichen Riesen geben, wäre es die ultimative Pilgerstätte und ich wäre jetzt nicht allein, sondern würde mit vielen anderen Menschen zusammen die Tour bestreiten.

Auf halber Strecke freue ich mich, aus der Lethargie der strapaziösen Reise gezogen zu werden, weil ein Tempel der Gek am Wegesrand steht. Hier kann ich zwar nichts machen, aber ich mag die Gek, ein putziges Echsenvölkchen, dessen Geschichte allerdings besagt, dass sie an allem, was das Universum in No Man’s Sky durchgemacht hat, schuld sind. Auch am Marketing-Debakel im Vorfeld. Sie drücken ihre Emotionen anhand von Gerüchen aus, die mit Hilfe von Gasen ihrem Körper entweichen. Genau, Gek pupsen wenn sie glücklich oder traurig sind. Absolut liebenswert.

Imgur Immerhin. Hübscher Nachthimmel.

40 Minuten sind ins Land gezogen und auch wenn ich mittlerweile an einem See und zumindest einer saftigen roten Wiese vorbeigekommen bin, ist der Planet immer noch öde und doof. Ich bin mittlerweile echt hundemüde und haben einen dieser Momente, in denen ich es hasse keinen Kaffee zu trinken und mich die 25mg Koffein in einer Cola nach 30 Jahren so kalt lassen, wie ein Nasenspray die Kinder vom Bahnhof Zoo.

Nach knapp einer Stunde Fahrt und dem einen oder anderen Sekundenschlaf sehe ich von der Spitze eines Berges hinunter ins Tal endlich den Unterschlupf, in dem sich das sagenumwobene S-Klassen Multitool befinden soll. Ich lasse mich hinunterrollen und lese schmunzelnd die Nachrichten anderer Spieler im Wust an erst vor kurzem aufgestellten Kommunikations-Stationen. Auch hier spiegeln sich Freude und Tragödie in Textform wider. Ich stelle auch eine auf: „For the Mug!“, eine Anspielung auf die lange Reise nach Hutton Orbital in Elite und in der Hoffnung, dass es noch andere Spieler da draußen gibt, die wie ich beides spielen und meinen Humor verstehen.

Imgur Rori. Quasi der Gralshüter.

Beinahe mache ich die Playstation aus und wäre ins Bett gegangen, ohne vorher nachzusehen, ob ich denn das Glück gehabt hätte, das tolle Werkzeug zu bekommen. Ich hätte Lotto spielen sollen, denn drinnen an einer Wandhalterung und hinter einem bediensteten Gek namens Roritzens, ich nenne ihn Rori, präsentiert sich mir das Multitool in seiner ganzen maximalen Pracht. Alles dran, alles drin. Ich schmunzle, schalte die Playstation in den Ruhemodus und plane, meine Rückfahrt nach einer Mütze Schlaf zu unternehmen.

Imgur Das ist doch niemals der Becher eines Zimmermanns.

Als ich heute Morgen aufgestanden bin und immer noch schlaftrunken ins Wohnzimmer wanke, sitzt meine Tochter bereits an der Konsole, spielt Octodad und lacht unentwegt. Auf meine Frage, ob sie bei No Man’s Sky gespeichert hat, schüttelt sie bloß den Kopf. Eine komplette Hin- und Rückfahrt der Iouscron-Posis Tour liegt also noch in meiner Zukunft. Schön.


Outrage Coda

Am 9. Mai 2018 unter film

Takeshi Kitanos Outrage, der Dritte. Macht vieles genau so, wie Teil Eins und Zwei, hat aber irgendwie weder Tief- noch Höhepunkt. Eine gerade Linie, wie die Gestik des Meisters selbst, auf der sich alle gewohnt anschreien (auch wenn das beim deutlich gealterten Kitano-san selbst nicht mehr ganz so laut ist), beleidigen und gelegentlich blutig über den Haufen schießen. Das sich zu den gut zwei Dutzend gleichangezogenen Männern nun auch noch eine Organisation aus Südkorea gesellt, macht es nicht einfacher durch die Intrigen der Familien Hanabishi, Kimura, Sanno und Chang durchzusteigen. Zum Ende hin, wenn die Rollen der Darsteller weitgehend dezimiert sind, wird es aber deutlich übersichtlicher. Trotz der Gewalt, vielleicht auch weil die im Vergleich zu den Vorgängern etwas abgenommen hat, wirkt Coda lediglich wie ein seichter Abschluss der Trilogie. Eine Prise Melancholie zum Abschied, was Kitano ja eigentlich beherrscht, hätte dem Ganzen gut gestanden, blieb bei mir allerdings komplett aus.