Die Iouscron-Posis Tour

Am 10. Mai 2018 unter spiel nomanssky

Wenn es eine Sache gibt, die ich mir für das anstehende und wirklich vielversprechend klingende NEXT Update von No Man’s Sky wünsche, dann sind es längere Trips innerhalb von Sonnensystemen. So etwas wie Hutton Orbital in Elite Dangerous. Wanderlust in Videospielen ist keine Seltenheit und auch in No Man’s Sky haben Spieler diese bereits bedient, in dem sie ganze Planeten oder Monde zu Fuß umrundet haben. Auch ich verspüre regelmäßig die Lust, in Videospielen auf eine lange Erkundungs-Tour zu gehen und da kam mir dieser Beitrag auf Reddit sehr gelegen. Dort hat jemand ein Multitool (Waffe und Werkzeug bei No Man’s Sky in einem) gefunden, welches eine maximale Anzahl von Ausbauplätzen und ganz großartige Boni in allen Anwendungsbereichen hat. So ein S-Klassen Multitool im Spiel zu finden ist eher rar und auch keine Garantie, dass der nächste Spieler es dort ebenfalls findet. Ab und an gibt es aber Fälle, da ist es fast garantiert. So wie hier.

Der einzige Nachteil: Der Portalausgang, über den dieser Planet zu erreichen ist, befindet sich eine Stunde entfernt von der Station, die das Multitool beherbergt. Wer keine aufwendige Basis sein eigen nennt, kann diese aufgeben, auf dem Planeten eine neue beziehen und so sein Raumschiff für einen schnellen Flug herzitieren. Alle anderen, so wie ich, müssen laufen oder fahren. Mich interessiert das Werkzeug gar nicht, denn es ist mir zu bullig und ich bin niemand, der unbedingt die beste Waffe besitzen muss. Vor allem nicht in No Man’s Sky, wo es derzeit noch jede andere Waffe auch tut. Außerdem bin ich Teil des Forscherduos, dass die legendäre Comforting Recoil II als S-Klasse gefunden hat. Als Mitglied des Freien Folks der Fringe kann mir keiner mit was anderem kommen. Ich mache diese Reise bloß der Reise wegen. Der Weg ist das Ziel.

Imgur Reisevorbereitungen am Portal.

Der Planet mit dem Multitool der Begierde heißt Enfrakliscghitremirtyosasashirum im System Gooodbyeee mooonmaaannn (0CD2:0070:03DC:0100) und ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich benutzergenerierte Inhalte nur zu einem gewissen Grad ertragen kann. Es ist fast Mitternacht, morgen ist Feiertag und ich habe genug Plutonium (wird als Kraftstoff für den Buggy benötigt) bei einer Gruppe libyscher Terroristen „gekauft”, dass die Reise losgehen kann. Ich schreite durch das Portal auf meinem Heimatplaneten und nach einer kurzen Ladepause befinde ich mich im Multitool-Mekka: Wie immer bei solchen Pilgerstätten in No Man’s Sky üblich, begrüßen mich beim Austreten aus dem Portal ein Haufen an Kommunikations-Stationen. Diese kleinen schwebenden Kugeln hinterlassen Nachrichten ihrer Besitzer für andere Spieler. „Die Reise lohnt sich” von Leuten die es geschafft haben oder „All die Strapazen für eine olle A-Klasse” von Leuten, die weniger Glück hatten. Zeitzeugen von Einzelschicksalen. Eine Station gibt den entscheidenden Hinweis: „Nach Norden für ein S-Klasse Multitool!”. Ich baue mir einen Spawnpunkt für meinen Buggy und düse los.

Es gibt Planeten in No Man’s Sky, die haben saftige Wiesen, tiefe Täler und hohe Berge und eine illustre Fauna, die zum Erkunden und Beobachten einladen. Enfrakliscghitremirtyosasashirum ist keiner davon. Ganz im Gegenteil. Er ist radioaktiv verseucht und lebensbedrohlich, sobald ich mein Fahrzeug verlasse. Er hat überall Löcher im Boden, durch die mein Fahrzeug in verwinkelte Höhlensysteme fällt und er hat hässliche Bäume, an denen ich zum Stoppen komme. Kurzum: Hier zu fahren und nicht zu fliegen macht keinen Spaß. Aber zum Spaß bin ich nicht hier. Moment. Bin ich doch. Egal. Jetzt muss ich da durch.

Imgur Kommunikations-Stationen mit Nachrichten anderer Spieler.

Natürlich hat Enfrakliscghitremirtyosasashirum gar keine Fauna. Kein einziges Tier, nichtmal eine dieser hässlichen fliegenden Kühe gibt es auf der Fahrt zu sehen. Lediglich die purpurroten Wolken am Nachthimmel sind es wert angeschaut zu werden. Würde es auf diesem Planeten zufällig auch noch die bei Spielern so beliebten Diplodocus-ähnlichen Riesen geben, wäre es die ultimative Pilgerstätte und ich wäre jetzt nicht allein, sondern würde mit vielen anderen Menschen zusammen die Tour bestreiten.

Auf halber Strecke freue ich mich, aus der Lethargie der strapaziösen Reise gezogen zu werden, weil ein Tempel der Gek am Wegesrand steht. Hier kann ich zwar nichts machen, aber ich mag die Gek, ein putziges Echsenvölkchen, dessen Geschichte allerdings besagt, dass sie an allem, was das Universum in No Man’s Sky durchgemacht hat, schuld sind. Auch am Marketing-Debakel im Vorfeld. Sie drücken ihre Emotionen anhand von Gerüchen aus, die mit Hilfe von Gasen ihrem Körper entweichen. Genau, Gek pupsen wenn sie glücklich oder traurig sind. Absolut liebenswert.

Imgur Immerhin. Hübscher Nachthimmel.

40 Minuten sind ins Land gezogen und auch wenn ich mittlerweile an einem See und zumindest einer saftigen roten Wiese vorbeigekommen bin, ist der Planet immer noch öde und doof. Ich bin mittlerweile echt hundemüde und haben einen dieser Momente, in denen ich es hasse keinen Kaffee zu trinken und mich die 25mg Koffein in einer Cola nach 30 Jahren so kalt lassen, wie ein Nasenspray die Kinder vom Bahnhof Zoo.

Nach knapp einer Stunde Fahrt und dem einen oder anderen Sekundenschlaf sehe ich von der Spitze eines Berges hinunter ins Tal endlich den Unterschlupf, in dem sich das sagenumwobene S-Klassen Multitool befinden soll. Ich lasse mich hinunterrollen und lese schmunzelnd die Nachrichten anderer Spieler im Wust an erst vor kurzem aufgestellten Kommunikations-Stationen. Auch hier spiegeln sich Freude und Tragödie in Textform wider. Ich stelle auch eine auf: „For the Mug!“, eine Anspielung auf die lange Reise nach Hutton Orbital in Elite und in der Hoffnung, dass es noch andere Spieler da draußen gibt, die wie ich beides spielen und meinen Humor verstehen.

Imgur Rori. Quasi der Gralshüter.

Beinahe mache ich die Playstation aus und wäre ins Bett gegangen, ohne vorher nachzusehen, ob ich denn das Glück gehabt hätte, das tolle Werkzeug zu bekommen. Ich hätte Lotto spielen sollen, denn drinnen an einer Wandhalterung und hinter einem bediensteten Gek namens Roritzens, ich nenne ihn Rori, präsentiert sich mir das Multitool in seiner ganzen maximalen Pracht. Alles dran, alles drin. Ich schmunzle, schalte die Playstation in den Ruhemodus und plane, meine Rückfahrt nach einer Mütze Schlaf zu unternehmen.

Imgur Das ist doch niemals der Becher eines Zimmermanns.

Als ich heute Morgen aufgestanden bin und immer noch schlaftrunken ins Wohnzimmer wanke, sitzt meine Tochter bereits an der Konsole, spielt Octodad und lacht unentwegt. Auf meine Frage, ob sie bei No Man’s Sky gespeichert hat, schüttelt sie bloß den Kopf. Eine komplette Hin- und Rückfahrt der Iouscron-Posis Tour liegt also noch in meiner Zukunft. Schön.


Outrage Coda

Am 9. Mai 2018 unter film

Takeshi Kitanos Outrage, der Dritte. Macht vieles genau so, wie Teil Eins und Zwei, hat aber irgendwie weder Tief- noch Höhepunkt. Eine gerade Linie, wie die Gestik des Meisters selbst, auf der sich alle gewohnt anschreien (auch wenn das beim deutlich gealterten Kitano-san selbst nicht mehr ganz so laut ist), beleidigen und gelegentlich blutig über den Haufen schießen. Das sich zu den gut zwei Dutzend gleichangezogenen Männern nun auch noch eine Organisation aus Südkorea gesellt, macht es nicht einfacher durch die Intrigen der Familien Hanabishi, Kimura, Sanno und Chang durchzusteigen. Zum Ende hin, wenn die Rollen der Darsteller weitgehend dezimiert sind, wird es aber deutlich übersichtlicher. Trotz der Gewalt, vielleicht auch weil die im Vergleich zu den Vorgängern etwas abgenommen hat, wirkt Coda lediglich wie ein seichter Abschluss der Trilogie. Eine Prise Melancholie zum Abschied, was Kitano ja eigentlich beherrscht, hätte dem Ganzen gut gestanden, blieb bei mir allerdings komplett aus.


Happy!

Am 4. Mai 2018 unter serie

Wenn die eine Hälfte des Duos hinter den Crank-Filmen mit diesem einen Typen aus Law and Order eine Serie über einen heruntergekommenen Ex-Bullen machen will, dem ein animierter Esel mit Horn erscheint, der wiederum von diesem Einen aus King of Queens gesprochen wird, dann muss er sich schon ordentlich Mut angetrunken haben bevor diese Idee auf dem Tisch eines Produzenten endete. Oder er war von Anfang an besoffen. Möglich. Herausgekommen ist eine großartig kurzweilige Serie mit rabenschwarzem Humor, einer Feiertagsportion Gewaltdarstellung und ganz viel krankem Zeug, welches mir den ein oder anderen Lacher in der moralischen Zwickmühle erstickt hat. Christopher Meloni in der Hauptrolle ist der Wahnsinn, acht Folgen sind aber viel zu wenig und deshalb macht mich die Nachricht, dass dieses Jahr noch eine zweite Staffel erscheint auch so richtig Happy! Ist von SyFy, gibt es hierzulande aber auf Netflix.


Avengers: Infinity War

Am 2. Mai 2018 unter film

Avengers Infinity War ist da und schlägt ein wie der Hulk beim High Five. Fans des Marvel Kino Universums sind begeistert und artikulieren Lobeshymnen über dessen Perfektion. Das muss ich als jemand, der die ersten beiden Avengers Teile allenfalls als generische CGI-Actionkost empfand und dem dritten Teil immer noch übel nehme, dass er sich als Captain America Film ausgegeben hat, schlicht anerkennen. Und auch wenn Infinity War für mich keine große Kinokunst ist, so wurde ich doch durchgehend gut unterhalten.

Ich kann gerade die Disney Superheldenfilme nur schwer ernst nehmen und mag es, wenn sie es selbst auch nicht tun. So, wie die Guardians Filme. Daher fühlte ich mich in deren Szenen auch immer noch am wohlsten. Hätte man den Fokus hier und da mal von der technischen Perfektion weg und hin zur handwerklichen Meisterschaft gesetzt, hätte mir der Film persönlich noch besser gefallen. Aber auch die Tatsache, dass gefühlt 30 Helden in den Plot gepackt wurden und sich der Film weder gehetzt noch gestopft anfühlt, ist durchaus eine Meisterleistung. Und was mir an Momenten fehlte, die im Kopf zum Nachdenken überdauern, wird dadurch wett gemacht, dass ich mich nun damit beschäftige, wo genau nochmal welcher Infinity Stein herkam und wie er verdammt nochmal dahin gekommen ist. Smarter Move, Marvel. Smarter Move.

Und wenn ich mir das doch recht krasse und wirklich großartig ausgedachte Ende anschaue, muss ich den Verantwortlichen auch Respekt für deren Mut zollen. Wenn da nicht eine winzige Kleinigkeit wäre, die diesbezüglich noch zu klären wäre: Infinity War wäre für mich wirklich etwas Besonderes, wenn hier Schluss wäre. Jetzt schnipsen die eingefleischten Marvel Pros mit den Fingern und wollen mir erzählen, dass hier tatsächlich eine Phase zu Ende geht. Ja, aber es ist halt nicht wirklich vorbei. Und bevor ich nicht mit Sicherheit bewiesen bekomme, dass in weiteren Filmen nicht doch noch jemand mit einem weiteren Infinity Stein, einer Zeitmaschine, Parallel-Universen-Gedöns oder dem guten alten History-Eraser-Button(tm) daherkommt und – Friede, Freude, Eierkuchen – alles wieder gut ist, halte ich mich mit der endgültigen Herausgabe von extragroßen Cochones noch zurück.

Meine Lieblings Marvelfilme kommen mit Logan und Days of Future Past weiterhin von Fox und nicht von Disney, aber Infinity War ist trotzdem der erste Avengers Film, den ich mag, und er hat auch mein etwas gedämpftes Interesse für das Marvel Kino Universum wieder voll entfacht.


Sea of Thieves

Am 17. April 2018 unter spiel

In dem Moment, in dem mir klar wurde, dass Sea of Thieves eigentlich Elite Dangerous auf hoher See ist, hatte ich bereits mehrere Tage damit verbracht das Meer zu erkunden, Schätze zu suchen, Hühner und Schweine zu jagen, die Schiffe anderer Spieler vorsichtig zu umsegeln und Stürme mit beachtlicher Trefferquote Volley zu nehmen. Das deckt sich mit meinem Tagesablauf in Elite Dangerous, wo ich die Galaxis erkunde, seltene Materialien berge, Handel betreibe, anderen Spielern davon fliege und ab und an einem Stern dabei so nahe komme, dass mein Bordcomputer mir die Leviten liest. Das Internet sagt, das ist nicht genug und das Sea of Thieves Reddit-Forum wird mit Verbesserungsvorschlägen überschwemmt, die allesamt ein komplett anderes Spiel ergeben würden. Alles was ich mir für die Zukunft wünsche ist, dass es von allem ein wenig mehr gibt.

Der Grind ist das neue Schwarz. Zumindest bei Spielen wie Sea of Thieves und Elite Dangerous. Der Grind ist, wenn man bei einem Spiel, das auf eine lange Halbwertzeit ausgelegt ist, für die Spielwährung oder die Erfahrungsstufe eigentlich immer das gleiche macht. Games as a Service heißt das bei der Marketing Heuschrecke, die beim Klang dieses Anglizismus eine feuchte Hose bekommt, während der Blogveteran bei solchen Wörtern gar nicht weiß in welche Richtung er zuerst kotzen soll. Aber ich mag den Grind. Ich mag es, bei Sea of Thieves los zu segeln, mit dem Fernglas nach Vogelschwärmen Ausschau zu halten, um Schiffwracks zu entdecken und dort eventuell Schätze zu bergen. Ich mag es, dass das Spiel dabei meine tiefste und innerste Angst herausfordert, indem es mir einen Hai auf den Hals oder das Bein hetzt, wenn ich zu lange tauche. Ich mag es, mit der völlig komplizierten, aber sehr realistischen Segel-Mechanik Inseln anzusteuern, und ich mag es, dass ich, bis auf die Güter, die sich gerade auf meinem Schiff befinden, im Falle eins Angriffs nichts zu verlieren habe. Wenn ich sterbe oder kentere kehre ich nach einem kurzen Aufenthalt auf der Fähre der Verdammten wieder in die Welt der Lebenden zurück. Mit den selben starken Waffen und dem selben Schiff. Bei Sea of Thieves gibt es zum Glück keine Upgrades, die erst gefunden oder freigespielt werden müssen.

Klar tut es trotzdem weh, wenn ich Schätze geborgen habe und ich dann zusehen muss, wie diese von Bord getragen werden, während ich verzweifelt versuche wenigstens einen der Piraten zu Davy Jones in die Umkleide zu schicken. Aber das ist das Schicksal des Einzelspielers. Ich muss zusehen, dass ich Gefahren möglichst früh erkenne und dann umsegele. Ich muss öfter schwimmen und gehen, um Güter auf mein Schiff, und genau so oft schwimmen und gehen, um diese wieder von Bord zu bekommen. Das artet schon mal in Arbeit aus. Das „Alte Mann und das Meer” Feeling aber macht es unterm Strich mehr als wett. Oder die Spieler, die man trifft und die einem nicht sofort an die Gurgel wollen (Bei Piraten ergibt sich diese Situation erfahrungsgemäß dann, wenn beide Seiten keine Güter oder Gold dabei und somit nichts zu verlieren haben). Dann wird schonmal zusammen getanzt, gesoffen, musiziert und anderer Blödsinn gemacht. Ich kann euch jetzt zum Beispiel mit Gewissheit mitteilen, dass eine Stunde nicht ausreicht, um sich über eine Bordkanone direkt vor den Tresen einer Taverne an Land zu feuern (Ich habe, was das angeht, aber noch nicht aufgegeben).

Und so kam mir nach einer Woche Sea of Thieves vor allem eine Erkenntnis: Elite Dangerous braucht auch ein Akkordion! Oder eine Konzertina, die man wie Kapitän Janek in Prometheus auf einer langen Reise durchs All spielen kann.

Und ja, auch ich bescheinige euch hiermit, dass es kein schöneres Meer in irgendeinem anderen Videospiel gibt.