The Expanse (Buchreihe)

Am 17. September 2017 in buch

Relativ kurz nachdem wir Staffel Eins der Science Fiction Serie „The Expanse” durchgeschaut haben, und noch bevor die zweite Staffel den Charakter der Bücher fast schon sträflich ignorierte, sodass sie in unserem Ansehen schneller gefallen ist, als eine heiße Kartoffel ohne Hackfleisch und Käse, haben wir parallel angefangen die Bücher zu lesen. Lesen ist da allerdings das falsche Wort. Aufsaugen trifft es schon eher. Denn was Daniel Abraham und Ty Franck da unter dem Pseudonym James S. A. Corey zusammengetragen haben, ist so wunderbar geschrieben, dass ich nur noch hilflos aus dem Fenster der Bahn hinaus in die graue Realität starren konnte, als der letzte Satz des sechsten Bandes gefallen war. Selten habe ich eine Buchreihe gelesen, in der so feinfühlig versucht wurde, jedes Zeichen eines aufkommenden unnötigen Dramas, auf das sich andere Autoren mit Geifer im Mundwinkel gestürzt hätten, im Keim zu ersticken. Mal mit einem Gespräch, mal mit einer Kugel. Und auch, wenn Buch Sechs es nicht mehr ganz so leicht hatte, weil Buch Fünf mit seinen What-the-Fuck Momenten so gnadenlos gut war, tut das der Gesamtqualität der Reihe keinen Abbruch. Jetzt heißt es durchhalten und stark sein. Im Dezember kommt ja schon Buch Sieben.

Logan Lucky

Am 15. September 2017 in film

Steven Soderberghs Logan Lucky ist eine Hommage an Steven Soderberghs Ocean’s Eleven. Nur ohne den Glamour-Cast. Dafür mit Channing Tatum als Minenkumpel und Adam Driver als einarmiger Barman im Bob Seger-T-Shirt. Sozusagen ein Remake vom Remake vom Remake. Das es irgendwann so kommen musste ist bei Soderbergh, dessen Wurzeln in Hollywood einer alten Eiche gleichen dürften, nicht wirklich verwunderlich. Der Kreis schließt sich und das Kino hat er damit wohl erfolgreich durchgespielt. Was soll da jetzt noch kommen? Außer ein Steven Soderbergh Biopic von Steven Soderbergh mit Steven Soderbergh in der Hauptrolle natürlich. Viel Luft nach oben ist da jedenfalls nicht mehr.

„Logan Lucky“ korrigiert nebenher den erschreckenden Fakt, dass es (Achtung, ich lehne mich weit aus dem Fenster) bisher noch keinen Heist Movie mit Channing Tatum gab. Das einen als Zuschauer dabei jedes noch so naive Detail des eigentlichen Raubes nicht die Bohne juckt, ist die eigentliche Kunst dieses Films.

Am Ende zieht sich der Epilog mit dessen gefühlt dreißig Minuten Länge und dem Charakter eines Bonus-Kapitels zwar etwas hin, aber das macht die unkonventionelle Art, hier eine halbe Stunde vor Schluss noch einmal komplett neue Figuren einzuführen, locker wieder wett. Es kann ja nie genug Mut zu neuen Formeln im Film geben, und solange da kein Hobbit auf altem Toby und in Zeitlupe durch eine elfenweiße Bettenlandschaft hüpft, geht es auch mal in Ordnung wenn ein, zwei Ausfahrten zum logischen Schlusspunkt eines Films verpasst werden.

Es ist übrigens verdammt lange her, dass ich mir im Kino, wie just bei Logan Lucky geschehen, eine Träne der Freude aus dem Gesicht wischen musste, und das ist mehr wert als jeder weitere Satz den ich über diesen Film noch schreiben könnte. Punkt.

Ghost in the Shell

Am 27. August 2017 in film

Mitgerissen von der Diskussion, ob die Umsetzung der japanischen Comicvorlage mit einem kaukasischen Hauptdarsteller-Duo nun Whitewashing ist oder nicht, habe ich mir Ghost in the Shell eigentlich vor allem deshalb ausgeliehen, um es hier so richtig abzuwatschen. Gute Verrisse sind ja auch so viel einfacher zu schreiben und Scarlett Johansson als Major sollte doch eine ideale Vorlage sein. Pustekuchen.

Natürlich wäre Ghost in the Shell in einer besseren Welt von vornherein eine japanische Produktion von Mamiru Oshii gewesen und eben nicht eine US-Produktion mit dem Kapital aus den Taschen von gut einem halben Dutzend Geldgebern, die sich alle ungläubig und vor Lachen auf die Schenkel klopfen, wenn die Hauptrolle eine Japanerin sein soll. In einer ganz anderen Welt wäre Rila Fukushima der englisch sprechende Major gewesen. Hätte ich vielleicht auch nicht authentischer gefunden. Wichtig ist für mich, dass niemand mehr auf die dumme Idee kommt kaukasische Darsteller braun anzumalen oder sonstwie ethnisch umzuschminken. Scarlett Johanssons große Augen in ihrer ersten Szene war dahingehend hoffentlich bloß ihr Hundeblick und in weiteren Szenen glücklicherweise nicht mehr auffällig.

Abgesehen vom fraglichen Umstand des Castings macht Ghost in the Shell aber einfach alles richtig: Der Major und Batou sind überzeugend umgesetzt, Michael Pitt beweist als antagonistischer Puppetmaster ein begnadetes Schauspiel und die von Blade Runner inspirierte neon-reklamierte Umgebung ist herrlich anzusehen. Takeshi Kitano spielt sich, gewohnt routiniert auf der Kippe zwischen Teilnahmslosigkeit und Amoklauf, selbst und darf dabei erfreulicherweise durchgehend japanisch sprechen. Am Ende hüllen Clint Mansell und ein mir völlig unbekannter Lorne Balfe das Ganze in atmosphärisch passende Klänge, was unterm Strich ein rundum unterhaltendes Paket schnürt. Das habe ich so nicht erwartet.

Irgendwie habe ich am Ende lediglich die Fuchikoma vermisst. Andererseits mag ich den Film aber auch gerade wegen der Abstinenz von gesichtslosen, am Computer generierten Armeen von irgendwas. Und insektoide Roboter hätten den einen oder anderen Produzenten sicherlich auf dumme Gedanken gebracht. Bis Japan also seinen eigenen Realfilm zum Stoff herausbringt und weil ich kein großer Fan von Anime bin, ist das hier jetzt jedenfalls meine Lieblingsverfilmung.

P.S.: Ich möchte trotzdem nicht, dass James Cameron Battle Angel Alita verfilmt.

No Man's Sky Tagebuch

Am 24. August 2017 in nomanssky ansage spiel

Es ist kein Geheimnis, dass ich meine gefühlt viel zu geringe Freizeit seit nun mehr zwölf Monaten vor allem dem Videospiel No Man’s Sky widme. Da ich mein Blog aber immer noch sehr lieb habe und plane es auch weiterhin aufrecht zu halten, will ich hier kurz ein neues Projekt vorstellen: das NMS Discovery Diary. Die auf Wordpress aufgesetzte Datenbank ist nichts anderes als ein Feed mit unserer Meinung nach nennenswerten Entdeckungen, die meiner Frau und mir im Spiel über den Weg gelaufen sind. Sozusagen Tagebuch und Fundbüro in einem. Bequem an einer umständlichen Wiki-Software vorbei dokumentiert. Jeder Fund, sei es nun ein tolles Raumschiff, ein hübscher Planet oder ein irres Tier wird dort mit der galaktischen Adresse und dem Namen des Sonnensystems vermerkt. Mit der aktuellen Version des Spiels (Atlas Rising) und mit Hilfe der hinter den Adressen verlinkten Pilgrim Star Path App könnt ihr diese Orte dann selbst, etnweder über ein Portal oder ganz klassisch mit Warpsprüngen, besuchen.

Ursprünglich wollte ich das als Online-Datenbank selbst aufbauen, aber mit Wordpress ging das Ganze dann doch gefühlt zweieinhalb Jahre schneller. Für irgendwas musste das alte Konto ja noch gut sein.

Message From The King

Am 8. August 2017 in film

An dieser Stelle im Blog wollte ich eigentlich einen Text über den Film „Message from the King“ schreiben. Immerhin ist es die erste Netflix Eigenproduktion, die ich mir seit Adam Sandlers Verbrechen an der Menschlichkeit namens „Ridiculous Six“ getraut habe anzuschauen. Aber, und hier darf der geneigte Leser gerne und in düsterer Vorahnung etwas Luft durch die Zähne ziehen, ich weiß überhaupt nicht was ich da schreiben soll. Dieser Film hat nämlich weder Höhen noch Tiefen. Es ist beinahe so, als fahre man mit dem Auto gemütlich durch Schleswig Holstein. Da ist das Aufregendste halt der Geschwindigkeitshügel in der 30-Zone. In einer Zeit, in der Netflix offensichtlich noch bereit ist, das Geld jedem zuzustecken, der ohne zu zögern den Geburtstag des CEOs aufsagen kann, wird hier ausgerechnet das kleine Einmaleins des Rachefilms ausgespielt. Da ändert auch Marvels Schwarzer Panther in spe nichts dran, wenn die potentiellen Höhepunkte der Produktion mit hohen Erwartungen und einer Fahrradkette starten, dann aber eher auf Knöchelhöhe, also dem Niveau von Marvels Iron Fist, vorüberziehen. So bleibt die größte Überraschung die, dass die Damsel am Ende nicht gerettet werden muss, und das Beste ist leider nur der Fakt, dass Adam Sandler nicht mitmacht.

Gut, das sollte ich nicht unterbewerten.